Mauern aus Blut

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Mauern aus Blut

Beitragvon Aericura » 22. Mär 2010, 12:03

Mein Spiegelbild schaut mir entgegen
Doch ich erkenne mich nicht wegen
Der Leere in meinem Blick
Und ich will zurück
In meine eigne Welt
Die in sich zerfällt

Zerfällt in ihre Einzelteile
In denen ich noch immer weile
Ich schneid in mein Fleisch um sie zu reparieren
Mit meinem Blut sie zu regenerieren
Doch bin ich fertig hör ich nicht auf
Nehme weitere Schmerzen in Kauf
Färbe die Mauern mit Blut so rot
Stürzen sie ein so bin ich tot

Es gibt kein Entkommen
Sind die Mauern erklommen
So seh ich das Nichts
Sein ganzes Gewicht
Zieht mich nach unten
Bin versunken
Im Quell meines Lebens
Alles vergebens

Muss nichts versuchen es wird nichts bringen
Kann den Abgrund nicht überspringen
Die Leere ist nicht die Grenze der Welt
Sondern was sie zusammen hält
Will nicht inmitten der Leere stehn
Würde daran zugrunde gehn

Und doch ergreift sie Besitz von mir
Bin auf der Flucht gehetzt wie ein Tier
Suche Zuflucht hinter den Mauern
Um hinter meinem Blute zu kauern
Und doch nicht verschont zu bleiben
Nur ein Weg das Nichts zu vertreiben:

Blutige Mauern zu zerstören
Die Schreie meiner Seele zu hören
Werd daran zugrunde gehn
Und danach endlich verstehn
Dass das Nichts nicht zu durchdringen ist
Weil es sich durch mein Inn’res frisst
Die einzig wahre Wahrheit ist
„... dieses weiße Papier, das kein Ende nehmen will, brennt einem die Augen aus und darum schreibt man.“
(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: Mauern aus Blut

Beitragvon Nailra » 3. Jun 2010, 19:03

Ein sehr schönes Gedicht, Aericura....
Also jaaa du verstehst sicher was ich meine ;)
Das Gedicht ist natürlich nicht "schön" aber du hast es schön geschrieben also ehmmm *kopfkratz*
DU verstehst mich HOFFENTLICH =)

Ich hab deinen Schreibstiel unentlich gern! Du schreibst so locker und einfach aber trotzdem hat es etwas... einen besonderen Taint, ein Effekt...
Ich lese immer gerne deine Texte und kann dir nur Komplimente machen =)

Lg Nailra
Das wahre und sichtbare Glück des Lebens
liegt nicht ausser uns, sondern in uns.

Johann Peter Hebel
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Re: Mauern aus Blut

Beitragvon Aericura » 20. Mär 2012, 01:01

Ich habe heute (wenn der Post online geht, wird es "gestern heißen müssen, denn es ist jetzt 23:59 Uhr) mal probehalber auf meinem Youtube-Kanal eine Werk-Vertonung hochgeladen. Es ist genau dieses Gedicht, das ich rezitiert habe. Vielleicht interessiert ja jemanden die "gesparochene Version"?

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Re: Mauern aus Blut

Beitragvon Lost Empathy » 21. Jul 2012, 17:01

Wow!! Was ein Gedicht.

Geht mir nah weils so bekannt.

Toll gemacht. :supi:
"Komm wir essen Mutti."

Satzzeichen können Leben retten
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