Der Höllenwald (2) - Erster Reisebericht

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Der Höllenwald (2) - Erster Reisebericht

Beitragvon Lost Empathy » 11. Aug 2012, 17:13

Thema „Geister“

Liebe Leserinnen und Leser,
Geister und Gespenster gehören schon seit Bestehen der Menschheit zur Kultur, daran ist zunächst auch nichts Verwerfliches, denn alles hat seinen Sinn.

Seit mehreren Jahrzenten gibt es nun so genannte „Ghosthunting Teams“, die dem Phänomen „Geister“ auf den Grund gehen wollen. Leider ist es so, dass viele Ghosthunter dafür sorgen, dass dieses Interessensgebiet ins lächerliche gezogen wird – bestes Beispiel sind sogenannte Geisterjäger aus den USA – wo angeblich jedes Haus, jeder Ort Geister beherbergt. Man kennt solche Geschichten aus dem deutschen Fernsehen, wo Serien wie z. B. „Ghost Hunters“ oder „Verflucht“ zu sehen waren. Liebe Leser – so etwas ist Lächerlich und entspricht nicht der Realität. Zudem, woher wollen diese Menschen wissen, was ein Geist ist und was nicht? Mir fällt auf, dass diese Geisterjäger keinesfalls wissenschaftlich vorgehen und das sie nur Aufmerksamkeit erregen, wollen – je spektakulärer, desto besser. Schnell ruft man einen „Parapsychologen“ hinzu, der alles schnell aufklären soll. Mal eine Anmerkung: Parapsychologie ist zum einen nichts, was man studieren könnte; es handelt es sich hier also um nichts wissenschaftlich anerkanntes – im Grunde könnte sich jeder „Parapsychologe“ schimpfen. In diesen Serien wird nur allzuschnell „Geist“ gebrüllt – also nehmt diese Serien nicht ernst.

Hier in Deutschland gibt es mittlerweile auch viele „Ghosthunting Teams“. Viele handeln genau so, wie ich es oben beschrieben habe; das finde ich lächerlich und deren Handlungsweise ist in keinster Weise dabei behilflich, den paranormalen Phänomenen auf die Spur zu kommen oder sie tatsächlich nachzuweisen.

Aber, es gibt auch ein paar Geisterjägerteams, die wissenschaftlich an die Sache herangehen und sich weniger sensationell in Szene setzen. Kurzum kann man ihnen vertrauen, wenn man meint, einen Geist in der Wohnung zu haben.

Ich sag`s nun einfach frei Schnauze, was ich von der Geschichte Geist halte. Ja, es gibt Dinge, die wir Menschen uns mit unserem beschränkten Verstand nicht erklären können. Geister halte ich nicht gänzlich für unmöglich, allerdings denke ich, dass es sich auch um logische, physikalische Effekte handeln könnte. Ich bin etwas zwiegespalten und möchte handfeste Beweise für Geister haben, ehe ich vollends daran glaube. Ich bin nicht der hysterische Typ, der gleich schreit „Da ein Geist“ – nein, erst versuche ich andere Erklärungen dafür zu finden.

Trotz allem – es bleibt ein faszinierendes Thema.
Nun, ich war schon mit ein paar „Ghosthuntern“ unterwegs und diente als „Sensitiver“ zum auffinden möglicher Phänomene. Das hat mich neugierig gemacht und so habe ich mich mit einem Freund auf den Weg gemacht um Geisterphänomenen auf den Grund zu gehen bzw. selber welche aufzuzeichnen.

Hier nun mein Bericht, den ich in drei Teile aufgeteilt habe.

Von zweien die Auszogen um das Gruseln zu lernen

Vor nicht all zu langer Zeit packte mich das Hürtgenwaldfieber, das Interesse an der Geschichte und vor allem die Idee, dort einmal auf Geisterjagd zu gehen, da ich gehört hatte, das es dort spuken soll.
Schnell spannte ich meinen Freund Marius mit ein, ein zuverlässiger und kräftiger Kerl, der auch einmal etwas spannendes erleben wollte.

Das Ziel: Hürtgenwald
Das Objekt: Ein Weltkriegsbunker
Dauer der Untersuchungen: Drei Tage und Nächte
Verwendetes Equipment: Zwei Nachtsichtkameras, eine Thermokamera,
zwei Mehrband-EMF Geräte,
zwei hochempfindliche Mikrofone,
vier Infratrottthermometer, einige Bewegungsmelder, zwei Tonbandgeräte, einen Laptop, drei geladene Autobatterien und eine rudimentäre Campingausrüstung inclusive großem Medipack.


Tag Eins und Anreise

Es war 10 Uhr am Morgen (für mich noch „In aller Herrgottsfrühe“) als vor der Tür ein Auto ungeduldig Hupte. Natürlich hatte ich verschlafen, wie so oft und gab nun extra Gas um meinen ungeduldigen Fahrer nicht unnötig warten zu lassen. Im vorbeilaufen nahm ich mir noch ein Fernfahrerfrühstück vom Küchentisch und lief zum Auto. Marius begrüßte mich mürrisch, als ich mich anschnallte und einen Schluck Kaffee aus meinem Becher nahm. Und so begann unsere Fahrt ins ungewisse.

Unser Weg zum Hürtgenwald führte uns zunächst durch die übliche, langweilige Eifellandschaft die zunächst nur aus kleinen Waldstücken und Wiesen bestand.
Wir sprachen nicht viel, nur das allernötigste. Marius war genervt, weil ich immer derjenige war, der verschlafen musste und ich war genervt, weil ich noch nicht richtig wach war.

Je näher wir dem Hürtgenwald kamen, desto dichter wurde der Waldbestand – es war so, als würden wir das Tor zu einer anderen Welt durchschreiten. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, auf der einen Seite glich dieses Waldgebiet einem dichten Märchenwald in dem Elfen wohnen und man Rotkäppchen beim Pilze sammeln zuschauen konnte. Auf der anderen Seite wirkte dieses Waldgebiet düster, bedrohlich und man hatte das Gefühl von allen Seiten auf Schritt und tritt beobachtet zu werden. Gedanken über das viele Blut, welches dieser Waldboden verschlungen hatte und welches Elend der Wald verursach hatte, machten sich in meinen Gedanken breit. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das wir nicht hier sein sollten. Ich behielt meine Gedanken für mich, da mein Fahrer recht abergläubig war und ich ihn nicht beunruhigen wollte.

Auf dem vorher ausgeguckten Parkplatz im Hürtgenwald angekommen, kramten wir unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und begaben uns auf Erkundungstour durch den Hürtgenwald. Zunächst wollten wir uns zunächst nach einem geeigneten Bunker umschauen, so nebenbei wollten wir uns die Gegend genau anschauen, da der Wald trotz meiner Gefühle die mich begleiteten recht schön anzuschauen war.

Also spazierten wir durch den Wald und genossen die Natur, wobei sich in mir gemischte Gefühle breit machten. Auf der einen Seite war die Natur schön, ich genoss das regelrecht; auf der anderen Seite spürte ich den Schmerz, den Tod und wurde das Gefühl nicht los, unter ständiger Beobachtung zu stehen. Verschiedene, dunklere Stellen bestärkten das unheimliche Gefühl noch. Trotzdem ging ich mit Marius weiter unseren Weg in diesen Wald hinein.

Dann trafen wir auf den ersten Bunker dieses Waldes. Von diesem Bunker war fast nichts mehr zu sehen, außer einem bewachsenen Hügel. Dieser Bunker wurde noch im Krieg gesprengt und fiel deswegen als „Bunkerhotel“ für uns aus. Weitere 500 m Fußmarsch weiter trafen wir auf Bunker zwei. Er sah schon sehr mitgenommen aus. Der Eingang war bis auf ein Loch verschüttet und sah wenig Einladend aus, trotzdem wollte ich dort hinein. Also band ich mir ein Seil um den Bauch, schnappte mir eine Taschenlampe und bat Marius, das Seil im Auge zu behalten falls mir etwas passieren sollte. Also kroch ich in dieses Loch in die Eingeweide dieses Gebäudes, worin mich tiefste Finsternis erwartete. Leider konnte man in diesem Bunker nur ein paar Meter gehen, alle Zugänge waren verschüttet und Mitten im Raum befand sich ein tiefes Loch. Fledermäuse haben sich hier breit gemacht, schon deshalb hatte ich keine Lust länger zu verweilen. Ich stieg wieder aus diesem Grab heraus. Da drin bekam ich eine Gänsehaut, Magenschmerzen und das Gefühl weglaufen zu müssen. Ich war froh wieder Licht zu sehen und saubere Luft zu atmen. Marius saugte förmlich auf, was ich ihm erzählte. Ich bemerkte wohl, das es ihm nicht gut dabei war, als ich in das Loch stieg; verständlich ist es ja schon – es war gefährlich. Ich bitte euch Leser eindringlich, das niemals nach zu machen.

Der nächste Bunker auf den wir trafen, machte einen „ordentlichen“ Eindruck. Er dürfte in der Umgebung wohl bekannt sein. Bekannt war mir, dass dort wohl der obere Mannschafts- und Munitionsraum immer unter Wasser stand. Bei der Besichtigung dieser Räume war aber von Wasser nichts zu sehen, deshalb entschieden wir uns für diesen Bunker. Bei näherer Ansicht fiel mir im Mannschaftsraum ein Loch auf, welches in die unteren Räume führte, die allerdings mit Wasser vollgelaufen waren. Marius fand eine Metallplatte, die wir über dieses Loch legten, damit wir nächtens nicht hinein fallen konnten.

Ich fühlte, dass in diesem Bunker eine seltsame Ausstrahlung herrschte und mir war recht komisch in der Bauchgegend, also auch gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geisterjagd.
Nun hieß es, das Material anschleppen. Also markierte ich den Bunker per GPS auf einer Karte, damit wir ihn schnell wiederfinden konnten und machten uns dann auf den 2,5 km langen Rückweg um unser Zeug zu holen.

Als wir wieder im Bunker waren, war Zeit für das Abendessen. Wir bruzelten uns Rührei mit Speck und Zwiebeln und gönnten uns dazu ein leckeres Bierchen. Marius erzählte mir, was er über den Bunker denkt und was in ihm vorgeht. Er fühle sich unwohl und er glaubt es ginge hier um. Ich sagte ihm, das wir wohl genau deswegen hier seien und das uns wohl nichts geschehen würde, ebenso gestand ich ihm, das mir auch nicht wohl sei, aber das wohl das Los eines Geisterjägers sei. Ich konnte leider ein schäbiges Grinsen nicht unterdrücken.

Schnell waren alle Geräte aufgebaut und verdrahtet, erste Tests gaben grünes Licht. Wir hängten noch eine Plane vor das Schützenloch und in die Tür des großen Schützenraumes in dem wir uns niederlassen wollten und machten die ersten Messungen im Mannschaftsraum und im Munitionsraum die beide hinter dem Durchgang zum Schützenraum lagen. Wir kontrollierten, ob irgendwo Luftbewegung war, was aber Negativ ausfiel. Dann maßen wir die Temperaturen und notierten sie – es stand fest, das überall die Temperatur gleich kühl war. Als nächstes liefen wir die Räume mit dem Zweiband-EMF Gerät ab und stellten beide Geräte auf Null.
Als nächstes „sicherte“ ich alle Türen mit dem Pentagram um alle schlechten Einflüsse aus dem großen Schützenraum fern zu halten. Zusätzlich zog ich einen Schutzkreis mit Steinsalz um unser Lager und aktivierte ihn, damit auch ja nichts an uns heran käme. (Ja, ich weiß – ist Hexenkram, aber das stört mich nicht).

Dann hieß es warten. Die Wartezeit nutzten wir aus um Karten zu spielen und die Kameras über Laptop im Auge zu behalten. Alle Stunde ging einer von uns mit dem EMF Gerät durch die Räume um evtl. elektromagnetische Störungen festzustellen. Aber es gab absolut nichts merkwürdiges festzustellen.

Ergebnis dieser Nacht war folgendes: Es war nichts auf den Videoaufnahmen zu sehen; die Tonbänder würden wir nach unserer Tour auswerten, doch gehört haben wir in dieser Nacht nichts Außergewöhnliches. Die EMF und Temperaturmessungen brachten auch nichts, was auf etwas unnatürliches schließen ließe. Folglich ist gänzlich auszuschließen, dass dort etwas wie ein „Geist“ herumspukt.

Doch, es sollte in diesen Tagen doch noch etwas passieren, darüber aber im nächsten Bericht.
"Komm wir essen Mutti."

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