Der Höllenwald (5) – Kluge Menschen und ein Fazit

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Der Höllenwald (5) – Kluge Menschen und ein Fazit

Beitragvon Lost Empathy » 5. Okt 2012, 17:56

Nun, liebe Leserinnen und Leser, die es bis hier hin geschafft haben und dabei nicht eingeschlafen sind, möchte ich nun erzählen, was bei der Untersuchung des gesammelten Materials herausgekommen ist.

Nachdem meine Reisebegleitung und meine Wenigkeit ein paar erholsame Tage brauchten, um wieder neue Kraft zu tanken, begaben wir uns ans Werk, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Wir trafen uns bei mir in meiner kleine Gruft und begannen, zuerst das Videomaterial der Nachtsichtkameras zu sichten und benutzten dazu meinen Computer und den dazugehörigen Plasmamonitor.

Stunde über Stunden saßen wir vor dem Monitor und schauten Video bis unsere Augen schon ganz rot waren. Nach zwei Tagen waren wir mit dem Sichten dieses Materials durch – leider ohne wirklich brauchbares Ergebnis. Damit war allerdings zu rechnen, trotzdem war`s schade. Bis auf das Umfallen der einen Kamera war nichts zu sehen. Obwohl das Umfallen der Kamera auch recht seltsam war; das Stativ war sehr fest zusammengeschraubt und stand in der Waage; losen und unebenen Untergrund gab es auch nicht. Was mich noch stutzig gemacht hat, war, dass die Kamera umfiel, als hätte jemand das Stativ weggetreten. Muss allerdings nichts bedeuten.

Anschließend begannen wir, die Aufnahmen der Wärmebildkamera zu sichten. Lange, wirklich lange war absolut nichts Ungewöhnliches zu sehen, so langsam wurden wir ungeduldig. Marius war überzeugt davon, dass es dort Geistererscheinungen gäbe. Ich war ungeduldig, weil ich endlich mal was Ungewöhnliches sehen wollte.

Als wir fast schon aufgeben wollten, sahen wir es. Eine Wolke aus kalter Luft schwebte so mitten im Raum und wabberte vor sich hin. Ungewöhnlich daran war, dass es in dem Raum absolut keinen Luftzug gab. Ebenso wenig gab es irgendwo eine Quelle, woher kalte Luft hätte kommen können. Das fanden wir echt gruselig. Diese Wolke berührte weder Boden, Wände oder Decke des Raumes – wieder so eine Besonderheit. Dafür gibt es eigentlich nur zwei Erklärungen: Es war tatsächlich ein Geistwesen, oder es war einfach eine physikalische Anomalie.

Was allerdings sehr sehr ungewöhnlich war, war die Tatsache, dass die EMF-Werte zwei Tage lang völlig normal waren und dann plötzlich in astronomische Höhen geschossen sind. Das ist durch nichts wirklich glaubhaft zu erklären. Sämtliche Versuche, diese Situation nachzustellen verliefen Negativ.

Als letztes nahmen wir uns die Audioaufnahmen vor. Dazu drehten wir die Lautsprecher voll auf. Leider war nichts Außergewöhnliches zu hören. Leiser Flug- und Straßenverkehr – mehr nicht. Die grafisch dargestellten Frequenzmuster zeigten auch nichts Ungewöhnliches. Das blieb dann auch so bei allen drei Tagen, die wir einzeln untersuchten. Das Verlangsamen oder schneller machen der Aufnahmen brachte recht wenig, so splittete ich einzelne Frequenzen auf. So langsam wurde ich schläfrig und hörte gelangweilt langweilige Tonaufnahmen an – vorwärts und rückwärts. Nichts.
Und plötzlich war ich wach – ich meine nicht „normalzustandwach“, sondern „aufgeschrecktwach“. Bei der Aufnahme bei Tag zwei tat sich tatsächlich was. Es war anfangs kaum zu hören. Es war ein Kratzen zu hören, welches untypisch für den Bunker und er Situation war. Ganz kurz danach war sehr deutlich und deutlich das Wort „Raus“ zu hören. Es klang rau und barsch. Ebenso klang es, als hätte es jemand gesprochen der keine Luft zum Sprechen gehabt hätte. Jetzt standen auch mir die Haare zu Berge (hahaha, Insider – meine Haare waren zu der Zeit 3mm kurz).

Nun, soviel erst einmal zu unseren Eindrücken. Marius fühlte sich bestätigt, dass es dort im Bunker spukt. Ich war allerdings nicht wirklich überzeugt und bin es immer noch nicht ganz.

Als wir dann das geliehene Gerät zurückgaben, wurden wir natürlich von unserem freundlichen Verleiher zu unserer Reise ausgefragt. Wir erzählten lang und ausführlich – so wie ich jetzt in diesem Bericht. Er hörte sehr aufmerksam zu, legte sich Grübelfältchen an und nickte gelegentlich mit dem Kopf. Als wir unsere Geschichte beendeten, bot er uns an, das Material in seinem Labor zu sichten und den Versuch zu starten, die Phänomene zu erklären. Da er Physiker ist, kam uns das gerade recht.
Nun begann das Warten. Tagelang gab es gar nichts und in dieser Zeit hüpften mindestens zwei Gestalten von einem Bein auf`s andere. Ok, ein wenig gezankt haben wir auch, weil jeder auf seiner Meinung bestand.

Als schließlich das Telefon ging, war Michael der Erste am Hörer. Netterweise schaltete er auf Lautsprecher, sodass ich auch mithören konnte. Das Laborergebnis war Folgendes:

Die umfallende Kamera: Kann Zufall gewesen sein, sah aber aus als sei sie weggetreten worden.

Die Kaltluftwolke: Jetzt kommt`s: Unser Physiker hat`s erklärt und wir haben nur Bahnhof verstanden. Aber, so kann ich sagen, war es ein seltenes physikalisches Phänomen – also nichts mit Geist.

EMF - Werte: Die EMF-Werte konnte er nicht erklären, selbst Laborversuche liefen ins Leere.

Tonaufnahme: Er konnte das Wort „Raus“ auch heraushören – fand aber, dass es auch sein könnte, das wir das waren. Also: Etwas Genaues wissen wir nicht.
Als Hammernachricht aber fragte er uns, ob wir uns die Infrarotaufnahmen aus der Zeit an der die Kaltluftwolke zu sehen waren mal genauer angeschaut hätten. Wir sagten: „Ja, haben wir – und nichts gesehen.“ Er legte uns ans Herz, noch einmal ganz genau hinzuschauen – in der rechten Raumecke. Dort sollen wir mal auf die Schatten achten. Mehr sagte er nicht.

Wir sagten brav „Daaaaanke“ und legten auf und ließen alles erst mal bei einem Bierchen sacken. Danach sahen wir uns die benannte Zeit auf den Videos noch einmal genauer an – diesmal auf einem schärferen LED Fernseher. Und dann sahen wir was. Ein Schatten bewegte sich dort an der Wand lang. Er hatte menschliche Formen – allerdings ohne Beine. Er war sehr schlecht zu sehen und durchscheinend – Marius meinte, er sähe ein wenig wie Nosferatu aus dem gleichnamigen Stummfilm aus. Ich hätte gerne gegrinst, aber mir kam gerade das Gefühl wieder hoch, welches ich empfand, als das EMF-Gerät losheulte. Mir war plötzlich gar nicht wohl in meiner Haut. Bisher hab ich das Gefühl auf überreizte Sinne geschoben, die man schon mal hat, wenn man hypersensibel ist.

Fazit aus den Untersuchungen

Obwohl Marius nun gänzlich davon überzeugt ist, dass es Geister gibt und in unseren Untersuchungen auch einen Beweis sieht, bin ich etwas anderer Meinung. Gut, meine Haltung zum Thema Geister hat einen kleinen Riss bekommen, trotzdem bin ich nicht überzeugt. Es gibt mir zu viele Zufälle und vor allem meine Sinne waren vermutlich etwas überreizt. Dazu kommt, dass wir mit der Zeit an Übermüdung litten, da kommt es halt zu Sinnestäuschungen. Nun, jetzt überlasse ich jedem Leser seinen Gedanken, ob wir nun Geisterphänomene entdeckt haben, oder auch nicht. Nur die Vorstellungskraft setzt da Grenzen. Nun, wenn Sie mir als Leser Ihre Meinung sagen wollen, dann nur zu – ich freue mich über jedes Feedback.

Ein paar Gedanken zu unserer Reise ins Reich der Geister.

Wenn ich jetzt auf unsere Reise zurückblicke, überkommen mich gemischte Gefühle. Klar, die Landschaft ist wunderschön und lädt zum Spazieren ein. Die Luft ist einmalig gut und die Möglichkeit sich zu vom Alltagsstress zu erholen ist toll. Wir drei hatten wunderschöne und erlebnisreiche Tage im Hürtgenwald und seinem Bunker, das kann man mit Geld nicht kaufen. Die Nächte im Bunker waren zwar eisig kalt und vielleicht auch etwas beängstigend (jedenfalls für Marius), trotzdem haben wir jeden Tag genossen. Endlich einmal völlig frei sein; endlich mal wieder Mensch sein dürfen – das war schön. Ich kann nur jedem Empfehlen, eine Wanderreise durch die Eifel zu machen – gerade im Herbst ist es landschaftlich umwerfend.

Aber wie jede Münze, hat auch unsere Reise für mich ihre Schattenseite. Der Hürtgenwald ist heute noch ein Friedhof und der Boden ist immer noch voll mit Munition, Waffen, Minen und Granaten – also kein ungefährlicher Ort. Die Geschichte dieses riesigen Waldgebietes ist traurig, düster und vermittelt ein bedrückendes Gefühl. Besonders wenn man an den vielen Kriegsüberresten vorbei geht. Nun, wie schon ein paar mal erwähnt, bin ich hypersensibel und mich hat ein Gefühl gepackt welches ich als mehr als erdrückend empfand. Es fühlte sich so an, als läge eine Glocke aus Schmerz, Leid und Trauer über diesem Wald. Es war sehr intensiv und geistert noch immer durch meine Gedanken.

Auf jeden Fall hat sich diese Reise gelohnt. Ob es nun um`s Mensch sein, Abenteuer oder einfach um das gemeinsame erleben ging. Ob es nun Geister gibt oder nicht, wir stehen erst noch am Anfang zu begreifen. Und so möchte ich den Bericht „Der Höllenwald“ schließen und wünsche Ihnen einen wundervollen Herbstabend.

Eifel, 05.10.2012
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