Der Fall Julia Schmidt

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Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon Lantaris » 26. Sep 2010, 09:58

Mir kam da die Idee eine Geschichte zu schreiben, die keine fortlaufende Handlung erzählt, sondern aus Bruchstücken zusammengesetzt wird und trotzdem Spannung, Neugier erwecken soll. Der Leser soll sich an Fragen quälen, die erst nach und nach beantwortet werden. Ein Versuch, mal sehen wie das bei euch ankommt :grinsen: Also los geht's ...

Vermisstenanzeige im Schönhausener Tagesblatt vom 9ten Februar 2010:

Vermisst wird seit dem 7. Februar 2010 die 15jährige Schülerin Julia Schmidt aus Schönhausen. Das junge Mädchen besuchte an diesem Tag gegen 15.30 Uhr das Gemeindezentrum in der Innenstadt, um zusammen mit einigen Mitschülern an einer Theateraufführung zu proben. Gegen 20.15 Uhr verabschiedete sich Julia Schmidt von der Theatergruppe um den Nachhauseweg in die Brunnenstraße anzutreten. Die Schülerin ist seitdem spurlos verschwunden. Wer hat Julia Schmidt am 7. Februar 2010 nach 20.15 Uhr gesehen und kann Angaben zu ihrem Verbleib machen? Das Mädchen ist 1,65 groß, von schlanker zierlicher Statur. Sie hat schulterlanges, kastanienbraunes Haar, und Sommersprossen um die Nase. Sie trug hellblaue, leicht verwaschene Jeans, weiße Turnschuhe, ein rot-schwarz kariertes Hemd und eine schwarze Lederjacke. Hinweise nimmt die Polizei in Schönhausen entgegen.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon Lantaris » 26. Sep 2010, 09:59

Vernehmungsprotokoll vom 8ten Februar 2010, durchgeführt von Polizeihauptkommissar Breuer im Fall der vermissten Julia Schmidt.

Name: Klingenthal
Vorname: Hildegard
Beruf: Lehrerin an der Amadeus-Mozart-Schule, Schönhausen

B: Frau Klingenthal, wir haben einige Fragen an Sie zum Abend des 7. Februar 2010. Hätten Sie einen Augenblick Zeit für mich?
K: Natürlich, gerne.
B:Frau Klingenthal, gegen wie viel Uhr ist Julia Schmidt an diesem Tag im Gemeindezentrum erschienen?
K: Wir hatten uns mit der gesamten Theatergruppe um Punkt 15.30 Uhr im Gemeindezentrum verabredet und alle waren pünktlich da. Auch Julia Schmidt.
B: Wie verhielt sich Julia an diesem Tag? Wirkte sie nervös? Abwesend? Hatten Sie das Gefühl dass Julia irgendwas bedrückt? Benahm sie sich anders als sonst?
K: Nein, überhaupt nicht. Julia war wie immer. Nett, aufgeschlossen, sehr konzentriert und lustig.
B: Lustig?
K: Ja, lustig. Julia lacht gerne, wissen Sie. Und sie macht ständig Witze oder lustige Bemerkungen die andere zum Lachen bringen. Auch an diesem Abend.
B: Wie lange dauerten die Proben an jenem Abend?
K: Wir probten bis gegen 22.00 Uhr. Die Gruppe hätte noch länger geprobt, wenn ich nicht darauf bestanden hätte, Schluss zu machen. Es war doch schon recht spät und schließlich war am nächsten Morgen wieder Schule. Julia war zu diesem Zeitpunkt aber schon weg.
B: Sie war schon weg? Wieso?
K: Ja, sie ging gegen 20.15 Uhr. Wissen Sie, die Eltern von der Julia sind sehr streng. Sie erlauben ihrer Tochter nicht, lange Abends wegzubleiben. Julia muss stets um 20.30 Uhr zu Hause sein. Deshalb ging sie auch um 20.15 Uhr, nachdem sie sich höflich von allen anderen und von mir verabschiedet hatte.
B: Julia ging also um 20.15 Uhr. War sie alleine als sie nach Hause ging? Wurde sie begleitet?
K: Nein, sie brach alleine auf. Alle anderen blieben noch wie gesagt bis 22.00 Uhr.
B: Wissen Sie ob Julia zu Fuß nach Hause ging oder vielleicht den Bus nahm? War sie vielleicht mit einem Fahrrad unterwegs? Wurde sie vielleicht abgeholt?
K: Das weiß ich nicht. Ich hab sie ja nicht nach draußen begleitet. Aber ich glaube dass Julia wohl zu Fuß nach Hause ging. Sind ja nur fünfzehn Minuten Fußweg bis in die Brunnenstraße. Abgeholt wurde sie bestimmt nicht. Noch nie wurde sie abgeholt. Weder nach den Proben im Gemeindezentrum noch nach Ende der Schule. Und ein Fahrrad hat Julia so viel ich weiß auch nicht. Hab sie jedenfalls noch nie auf einem Fahrrad gesehen.
B: Was ist mit dem Bus?
K: Nein, das denke ich nicht. Die nächste Bushaltestelle vom Gemeindezentrum aus ist in der Friedrichstraße und da hätte Julia ja nicht nur einen Umweg machen müssen um nach Hause zu kommen, sondern auch noch Zeit verloren. Zu Fuß ist sie viel schneller in der Brunnenstraße.
B: Können Sie mir sonst noch irgendwas erzählen? Überlegen Sie gut. Auch Dinge die Ihnen vielleicht unwichtig vorkommen, könnten wichtig sein.
K: Tut mir leid, mir fällt nichts ein.
B: Nun gut, das war’s dann erst mal. Sollte Ihnen doch noch was einfallen, melden Sie sich bitte unverzüglich bei mir. Hier ist meine Karte. Vielen Dank, Frau Klingenthal.
K: Gern geschehen. Hoffentlich finden Sie das arme Mädchen bald. Wir machen uns alle sehr große Sorgen.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon gundula » 26. Sep 2010, 16:55

Vernehmungsprotokoll vom 9ten Februar 2010, durchgeführt von Polizeihauptkommissar Breuer im Fall der vermissten Julia Schmidt.

Name: Schulze
Vorname: Franz
Beruf: Pensionist
Wohnhaft: Gegenüber vom Gemeindezentrum, Lastenstrasse 7, Schönhausen


Wachtmeister Breuer sitzt mit seinen Kollegen in seinem Büro der Polizeidirektion. Es klopft. Ein älterer, weisshaariger Herr betritt das Büro.

B: Ja bitte?
S: Mein Name ist Schulze. Franz Schulze. Und ich möchte eine Aussage zum Verschwinden von Julia machen.
B: Also, Ihr Name ist Franz Schulze. Wo wohnen Sie.
S: Ich wohne gleich gegenüber des Gemeindezentrums, wo die Schüler das Theater proben.
B: Herr Schluze, was wollen Sie uns erzählen?
S: Herr Komissar, abends vor dem Hauptabendprogramm schau ich gern noch beim Fenster hinaus, und rauch meine letzte Zigarette. Ja, und da hab ich auf der Stiege diese Julia sitzen sehen.
B: Was war denn so auffällig daran?
S: Zuerst ja gar nichts. Hab mir auch nichts dabei gedacht. So 10 Min. später musste ich noch mal pinkeln. Da sass sie noch immer auf der Stiege. Aber diesmal schien sie mir schon wesentlich unruhiger zu sein. Sie schaute ständig rechts und links, und dann wieder auf die Uhr.
B: Woher wollen Sie wissen, dass es sich um Julia handelt?
S: Sie sass direkt unter der Strassenlaterne. Und so ein rotkariertes Hemd, das fällt einem doch sofort auf.
B: Sie war auch mit einer Lederjacke bekleidet.
S: Ja, ja, die hatte sie über ihren Rucksackt gelegt, der neben ihr am Boden lehnte.
B: Na gut. Und was weiter?
S: Ich bin neugierig geworden und hab so gegen 20 45 h noch einmal nachgesehen. Da war Julia noch immer da. Der Rucksack lehnte noch immer am Boden. Doch sie wanderte unruhig am Parkplatz hin und her. Hin und her. Und drehte sich immer wieder um, um nach allen Richtung Asschau zu halten.
B: Was geschah dann?
S: Kurz nachdem der Film aus war, so nach 21 h, hab ich noch einmal nachgesehen. Aber da war Julia samt ihrem Rucksack weg.
B: Was war mit dem Gemeindezentrum?
S: Da hat noch Licht gebrannt. Und es war recht laut. Dürfte sich wohl wieder um eine dieser Theaterproben gehandelt haben. Die dauern sowieso immer länger.
B: Haben Sie Julia schon vorher einmal gesehen?
S: Mhh... Stimmt, ja. So vor ein, zwei Wochen hab ich gesehen, wie sie heimgegangen ist.
B: Um welche Uhrzeit war das?
S: Auch so ca um 20 15 h. Sie ist recht schnell in diese Richtung weggegangen. Da hinten ist ja die Brunnenstrasse.
B: Danke, Herr Schulze für Ihre Aussage. Damit können wir sicher schon etwas anfangen. Und Sie wissen ja, wenn Ihnen noch etwas einfällt, dann melden Sie sich bei uns. Sie wissen ja, wo Sie uns finden.
S (schon im Aufstehen): Herr Komissar, da ist noch was. Aber es kommt mir so lächerlich vor.
B: Nur heraus damit. Ob lächerlich oder nicht, das entscheiden wir.
S: Nun also, wie die Julia dann nicht mehr da war, da ist dann so etwas Zerknülltes genau da gelegen, wo Julia gesessen hatte. Es ist mir aufgefallen, weil es ganz hell auf dem dunklen Boden lag. Nicht so wie ein gebrauchtes, schon ein paar mal drauf getretenes Papiertaschentuch. Das ist mir aber erst gerade eben wieder eingefallen.
B: Danke, Herr Schulze. Das ist sehr interessant. Und Sie melden sich, wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte.
Zuletzt geändert von gundula am 30. Sep 2010, 11:32, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon Lantaris » 27. Sep 2010, 01:19

Vernehmungsprotokoll vom 9. Februar 2010 , durchgeführt von Polizeihauptkommissar Breuer im Fall der vermissten Julia Schmidt.

Name: Linder
Vorname: Sandra
Beruf: Schülerin, Amadeus-Mozart-Schule, Schönhausen

B: Sandra, du bist wie man mir sagte, die beste Freundin von Julia und gehst mit ihr in dieselbe Klasse. Ist das richtig?
L: Ja, das stimmt. Wir sind seit der dritten Klasse befreundet.
B: Hast du an Julia irgendwas Auffälliges oder Ungewöhnliches bemerkt am Abend des 7. Februar als ihr im Gemeindezentrum zusammen geprobt habt? Hat sie dir etwas anvertraut, sich seltsam benommen? Irgendwas?
L: Nein, überhaupt nicht. Julia war an diesem Abend wie sie halt immer so ist. Gut gelaunt, freundlich, gesprächig, hat viel rumgealbert und gelacht.
B: Und als sie um 20.15 Uhr nach Hause ging? Wie war sie da? Bedrückt? Besorgt?
L: Nein. Wieso sollte sie? Sie war zwar nicht mehr so gesprächig und albern wie am Anfang der Proben, aber wir waren zu dieser Zeit alle schon etwas müde.
B: Und dir ist auch während der ganzen Zeit, wo ihr geprobt habt, sonst nichts an ihr aufgefallen?
L: Nein, gar nichts. Oder … vielleicht …
B: Vielleicht was? Gibt es doch etwas, was du mir verschweigst?
L: Nun, ich weiß nicht ob ich das erzählen soll. Es ist nicht so wichtig, glaube ich.
B: Alles ist wichtig. Also, erzähle mir bitte alles. Du hast doch was.
L: Also, bevor Julia sich verabschiedete und nach Hause ging, da … da …
B: Was?
L: Da hat sie sich mit unserer Lehrerin gestritten. Wir haben geprobt. Julia und Frau Klingenthal hatten sich lautstark unterhalten. Sie standen hinter dem schweren Vorhang hinter der Bühne. Ich weiß nicht worüber sie sich unterhielten, aber es ging ziemlich heftig zur Sache.
B: Sie haben sich gestritten? Bist du sicher?
L: Ja, wir haben zwar geprobt aber die laute Unterhaltung hinter der Bühne blieb mir nicht verborgen. Mir kam es vor als würden sie sich streiten.
B: Und weiter?
L: Etwas später kam Frau Klingenthal zurück auf die Bühne. Sie wirkte auf mich sehr aufgebracht. Kurz darauf kam auch Julia wieder. Julia wirkte entspannt wie eh und je. Wenn sich die beiden gestritten haben, so ließ sie sich nichts anmerken. Später an diesem Abend war die Sache für mich vergessen. Ich hab Julia auch nicht darauf angesprochen, geht mich ja nichts an.
B: Das hat dich nicht interessiert? Als beste Freundin?
L: Nein, hat es nicht, weiß auch nicht. War’s das dann? Ich muss noch Hausaufgaben machen.
B: Eine Frage noch. Hat jemand aus eurer Theatergruppe nach 20.15 Uhr das Gemeinezentrum vielleicht mal kurz verlassen, um draußen frische Luft zu schnappen?
L: Nein. Es gibt keine Pausen bei den Proben und unsere Lehrerin würde es nie erlauben wenn jemand mitten in den Proben einfach raus geht vor die Tür. Warum fragen Sie das?
B: Nur so. Ich hab keine weiteren Fragen mehr. Vorerst.

Anmerkung: Sandra Linder verbergt etwas. Die letzte Frage beantwortete sie sehr nervös. Ich gehe davon aus, dass sie weiß, worüber sich Julia und ihre Lehrerin so heftig stritten, will aber nicht mit der Wahrheit raus.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon gundula » 27. Sep 2010, 21:25

Vernehmungsprotokoll vom 9ten Februar 2010, durchgeführt von Polizeihauptkommissar Breuer im Fall der vermissten Julia Schmidt.

Name: Linder
Vorname: Sandra
Beruf: Schülerin, Amadeus-Mozart-Schule, Schönhausen
Wohnhaft: Brunnenstrasse 39, Schönhausen


Kommissar Breuer ist auf dem Weg, eine neue Mitschülerin in das Verhörzimmer zu holen, als ihn Sandra Linder von hinten anspricht.

S: Herr Kommissar!
B: Ja! Ach du bist es, Sandra. Was gibt`s denn?
S: Mir ist da noch etwas eingefallen. Aber das ist schon vor längerer Zeit passiert. Damals kam es mir schon sehr komisch vor.
B: Komm mit, wir gehen ins Vernehmungszimmer. - (Sie betreten das Zimmer). - So, bitte setz dich! Nun, was kam dir damals so komisch vor?
S: Ich bin ja die beste Freundin von der Julia. Und ich bin auch sehr oft bei ihr zu Hause. Ich wohne wie Julia in der Brunnenstrasse, gleich das nächste Haus. Deswegen machen wir nicht viel was aus, sondern laufen einfach mal hin und her.
B: Was war damals?
S: Damals... Ja, normalerweise ist immer irgendjemand zu Hause bei Julia, dann ist auch die Haustüre auf. An dem Tag eben auch. Ich hab kurz angeklopft, und bin ins Haus gegangen. Aber eigenartigerweise war niemand zuhause. Komisch, hab ich gedacht, mir aber nicht mehr Gedanken darüber gemacht. Ich bin dann hinauf zu Julias Zimmer....
B: Und weiter?
S: Da stand auch die Türe offen. Julia hat die Türe normalerweise immer verschlossen. Ich hab ziemlich laut geklopft. Aber sie ist auf ihrem Bett gesessen, ganz vertieft in irgendetwas. Ich bin dann ins Zimmer gegangen, und hab sie an der Schulter geschüttelt....
B: Erzähl weiter!
S: Es hat einen Augenblick gedauert, bis sie reagiert hat. Und dann hat sie mich mit einem fast irren Blick angesehen. Da hab ich richtig Angst vor ihr bekommen. Aber das war nur ganz kurz. Dann war sie wie immer. Bloss wollte sie danach sofort aus ihrem Zimmer gehen, wo sie sonst doch so gerne drinnen bleibt.
B: Hast du erkennen können, was sie so gefesselt hat?
S: Nein, sie hat sofort die Decke darüber gezogen. Und ich sie sass ja mit dem Rücken zur Türe.
B: Das ist wirklich alles etwas eigenartig. Obwohl es ja nicht unbedingt etwas zu bedeuten hat. Man vertraut auch seiner besten Freundin nicht immer alles an. Oder war es bei euch anders?
S: Ich habe immer geglaubt, sie erzählt mir alles. Aber vielleicht haben Sie ja Recht.
B: Danke jedenfalls, dass du mir diese Begebenheit erzählt hast. Ach übrigens, weisst du noch, wann das war?
S: Das ist schon länger her. Sicher schon ein paar Monate.
B: Ok, danke, Sandra.
Zuletzt geändert von gundula am 30. Sep 2010, 11:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon gundula » 27. Sep 2010, 21:34

hej, pierre,

war eine tolle idee von dir, diese geschichte! bei krimis bin ich wesentlich mehr zu hause, bei fantasy steig ich total aus... ich denk tag und nacht an julia ;)

lg
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon Lantaris » 28. Sep 2010, 00:39

Hallo Gundula,
es freut mich dass ich Dich mit Julia Schmidt zum Schreiben gebracht habe und Du mit eingestiegen bist. Bin mal selber gespannt wie sich das jetzt entwickeln wird. :grinsen:
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon gundula » 29. Sep 2010, 20:58

Vernehmungsprotokoll vom 9ten Februar 2010, durchgeführt von Wachtmeister Alios Knopf im Fall der vermissten Julia Schmidt.

Name: Maier
Vorname: Lydia
Beruf: Pensionistin
Wohnhaft: Fünfwundenweg 18, Schönhausen


Kommissar Breuer ist unterwegs, deswegen ist Wachtmeister Knopf der Diensthabende und momentan allein im Büro.

(Es klopft, ohne ein herein abzuwarten geht die Türe schon auf. Eine ältere Dame mit ihrem Schosshund betritt das Wachzimmer).
M: Mei, mei, das ist ja alles so schlimm mit der Julia. Und sie war doch so ein nettes Mädchen. Und erst die armen Eltern. Was müssen die für Sorgen haben.
K: (Unterbricht den Redeschwall der Frau). Beruhigen Sie sich erst mal. Guten Tag. Wer sind Sie?
M: Ach, entschuldigen Sie, ich bin ja so durcheinander. Guten Tag. Mein Name ist Lydia Maier.
K: Frau Maier, Sie wollen mir etwas im Fall er Julia Schmidt erzählen.
M: Wissen Sie, ich bin der Julia so oft beim Spazieren gehen begegnet. Mittags, wenn sie nach Hause ging. Und sie war immer so ein freundliches Kind. Na ja, junge Dame muss man da schon sagen. Immer ist sie kurz stehen geblieben und hat mit meiner Fifi (zeigt auf ihren Hund) gespielt. Und nie hab ich sie anders als freundlich gesehen.
K: Haben Sie sie denn immer zur gleichen Zeit getroffen?
M: Wissen Sie, wir, meine Fifi und ich, haben immer den gleichen Rhythmus. Wir gehen immer die gleiche Runde und immer zur selben Zeit. Montag, Donnerstag und Freitag haben wir dabei Julia getroffen. Mei, mei, mei... nein sowas. Dass so ein nettes Mädchen einfach verschwindet. Ich kanns noch immer nicht glauben.
K: Frau Maier, noch wissen wir gar nichts. Vielleicht erweist sich alles als ganz harmlos.
M: Aber wissen`s, Herr Wachtmeister, man sieht so viele Krimis im Fernsehen, und denkt dann halt schnell an was Schlimmes.
K: Frau Maier, können Sie mir noch irgendetwas erzählen?
M: Herr Wachtmeister ... wie war doch Ihr Name?
K: Knopf, Frau Maier, ganz einfach Knopf.
M: Also, Herr Wachtmeister Knopf, ich wollt nur sagen, dass ich die Julia immer als sehr pünktlich erlebt hab. Weil wenn wir, meine Fifi und ich, einmal ein bisschen später dran waren, dann ist uns Julia schon früher entgegengekommen. Und freundlich war sie immer. Nein, nicht nur gelächelt, sie hat immer über das ganze Gesicht gestrahlt, und gern gelacht. Und von weitem schon gegrüsst.
K: Frau Maier, wo wohnen Sie?
M: Im Fünfwundenweg. Ganz am Ende der Gartenstrasse, bei der Kreuzung, den kleinen Weg links und dann das dritte Haus auf der rechten Seite.
K: Frau Maier, ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Mühe gemacht haben und hergekommen sind.
M: Aber, Herr Wachtmeister, das macht man doch gern. Wenn man irgendwie helfen kann.
K: Und wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte. Sie wissen ja. Sagen Sie uns bitte Bescheid.
Zuletzt geändert von gundula am 30. Sep 2010, 11:34, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon Lantaris » 30. Sep 2010, 09:52

Vernehmungsprotokoll vom 10. Februar 2010, durchgeführt von Polizeihauptkommissar Breuer im Fall der vermissten Julia Schmidt:

Name: Klingenthal
Vorname: Hildegard
Beruf: Lehrerin an der Amadeus-Mozart-Schule, Schönhausen

B: Frau Klingenthal, ich hätte noch einige weitere Fragen an Sie.
K: Wirklich? Ich dachte, ich hätte alles gesagt. Also gut, bitte.
B: Als ich Sie neulich über den Abend während den Proben ausgefragt habe, haben Sie mir etwas verschwiegen.
K: Wie bitte? Etwas verschwiegen? Ich weiß nicht was Sie meinen.
B: Eine Zeugin hat ausgesagt dass Sie sich mit Julia Schmidt hinter der Bühne gestritten beziehungsweise lautstark unterhalten hätten. Ich würde gerne wissen was los war und wieso Sie das nicht erwähnt haben.
K: Darüber möchte ich nicht sprechen. Das ist eine private Angelegenheit zwischen mir und meiner Schülerin. Außerdem ist das völlig irrelevant.
B: Bitte überlassen Sie mir die Entscheidung ob das irrelevant ist, oder nicht, Frau Klingenthal. Jeder noch so kleine Hinweis könnte nützlich sein, herauszufinden was passiert ist und wo Julia Schmidt steckt. Also, worum ging dieser Streit. Sie müssen es mir erzählen oder ich sehe mich gezwungen Sie mit aufs Polizeirevier zu nehmen.
K: Ich kann Ihnen versichern dass das absolut nichts mit der Sache zu tun hat. Ich möchte wirklich nicht darüber reden.
B: Frau Klingenthal, rücken Sie endlich raus mit der Sprache. Sie werden nicht daran vorbei kommen, mir alles zu erzählen.
K: (seufzt) Na gut, wenn Sie unbedingt darauf bestehen. Aber ein bisschen peinlich ist es mir schon, das möchte ich ausdrücklich gesagt haben. Julia Schmidt hatte … nun, sie hatte …
B: Nun reden Sie doch nicht um den heißen Brei herum. Was hatte Julia?
K: Sie…sie hatte ein Verhältnis mit meinem Freund.
B: Ach, tatsächlich? Eine Liebesbeziehung? Das ist ja interessant. Und das versuchten Sie mir zu verschweigen?
K: Ja wollen Sie denn das nicht verstehen? Wissen Sie wie peinlich das für mich ist? Eine 15jährige Schülerin meiner Klasse macht sich an meinen Freund ran. Er ist 20 Jahre älter. Das ist einfach nur … erbärmlich.
B: Was genau ist passiert? Wie kam es dazu? Und was ist mit Ihrem Freund? Hat er etwas mit Julia gehabt? War es tatsächlich was Ernstes?
K: Sie werden es nicht glauben, aber Ja. Julia hat sich förmlich an meinen Freund rangeschmissen und ihm den Kopf verdreht. Und mein Freund? Er geht auf ihre Spielchen ein und erwidert ihre Annäherungsversuche noch. Ich habe beide zur Rede gestellt, mehrmals, und sogar gedroht zur Polizei zu gehen. Immerhin ist sie noch minderjährig. Sie haben mich nur ausgelacht. Ich kenne meinen Freund nicht wieder. Er steht voll hinter Julia. Dann erzählt er mir noch, er wolle mich verlassen weil er Julia so sehr liebe. Ich bin fast ausgeflippt. An diesem Abend bei den Proben nahm ich Julia wieder mal zur Seite und redete auf sie ein. Sie verhöhnte und verspottete mich. Sagte, ich sei bei Peter abgeschrieben und könnte mich nach einem neuen Typen umsehen. So kannte ich Julia vorher nicht. Nach außen spielt sie die freundliche, zuvorkommende Schülerin und in Wahrheit ist sie … ein Monster. Ich weiß auch nicht was in sie gefahren ist. Und in meinen Freund.
B: Das ist in der Tat ungeheuerlich. Wie heißt ihr Freund genau? Seine Adresse? Könnte es sein, dass er mit dem Verschwinden von Julia etwas zu tun hat?
K: Keine Ahnung, ich habe Peter nicht mehr gesehen seit der letzten Probe und an sein Handy geht er nicht ran. Ich bin eh fertig mit ihm. Sein voller Name ist Peter Friedmann. Er wohnt hier in Schönhausen, in der Heinrich-Heine-Straße Nr.37.
B: Ich werde mir diesen Friedmann mal vorknöpfen. Das könnte eine heiße Spur sein. Wenn er mit Julia was hat, weiß er vielleicht etwas. Ich bin allerdings sehr verärgert, Frau Klingenthal, dass Sie mir das bislang verschwiegen haben. Als „irrelevant“ würde ich das nicht gerade bezeichnen.
K: Ja, tut mir leid. Ich hätte es gleich erzählen sollen.
B: Gibt es vielleicht sonst noch was, das Sie mir zu erzählen haben?
K: (schüttelt schweigsam mit dem Kopf)
B: Nun gut, Frau Klingenthal. Wir sehen uns vielleicht wieder. Wünsche noch einen schönen Tag. Auf Wiedersehen.
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Re: Der Fall Julia Schmidt

Beitragvon gundula » 30. Sep 2010, 11:39

wow, da ist eine bombe schon früh geplatzt! ;)

lg
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