amber

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amber

Beitragvon gundula » 16. Aug 2010, 18:59

amber

auf rosaroten pfoten hast du dich ganz leise in mein leben geschlichen.
unsere erste begegnung war so ca. vor zwei wochen. im gebüsch bist du gehockt, zwei augen voller angst haben mich angesehen, dein ganzer körper fluchtbereit.
ein halber schritt zu dir, ein wort an dich... weg warst du.
einen tag später hatten wir besuch im garten. du warst nicht mehr ganz so scheu, und bist um unsere beine geschlichen. vom kaffetrinken war noch milch übriggeblieben. verdünnt mir etwas wasser stellte ich sie vor dich hin. noch nie bin ich einem derart hungrigen wesen wie dir begegnet. von da an treffen wir uns nun täglich im garten. du mit hunger, ich mit futter.
anfangs war alles an dir frage. du wusstest nicht, ob du uns vertrauen kannst.
so liessest du dich zb. nicht streicheln, bevor du nicht gefressen hattest. und dann auch nur zurückhaltend. aber das änderte sich bald. ich sitze gerne auf der stufe vor der hütte, friedl lag im liegestuhl, ein paar meter entfernt. du bist zwischen uns beiden hin- und hergependelt, hast dir streicheleinheiten geholt, so, als könntest du dich nicht entscheiden, oder müsstest deine zuneigung gerecht aufteilen. schliesslich hast du dich zwischen uns im gras niedergelassen. laut schnurrend.
friedl ist es auch, der dich neugierig macht. du folgst ihm mit aufgestelltem schwänzchen auf schritt und tritt quer durch den garten. und du musst genau beobachten, was er tut.
so hat friedl an unserem kleinen zwetschkenbaum ein paar äste abgeschnitten. du bist hinaufgeklettert, um ganz nah dran zu sein. aber so ungeschickt, wie du dich angestellt hast, wie du in den zweigen gehangen hast, haben wir nur herzlich über dich lachen können.
deine rosaroten pfoten lassen uns spekulieren, woher du wohl kommen magst, wer deine leute sind.
auf alle fälle bist du keine katze, die immer im freien ist. denn dazu sind sind deine pfoten einfach zu rosa. auch wenn du auf den gartenmöbeln unterwegs bist, rutscht du in jede nur möglich spalte. anscheinend bist du es gewohnt, immer sicheren untergrund ohne tücken unter dir zu haben.
vielleicht gehörst du einem alten menschen, der überraschend ins krankenhaus musste. und du wurdest einfach vergessen. du bist eine ausgesprochen ruhige und gelassene katze. und auch sehr leicht zufriedenzustellen. von daher würde dieses umfeld für dich gut passen.
schritt für schritt hast du dir den garten erobert. überall, wo du mit uns gewesen bist, fühlst du dich jetzt sicher. und fragst nicht mehr. wir mussten uns ja auch erst an dich gewöhnen. wie du bist. was du magst. so hat es auch eine zeitlang gedauert, bis du auf meinen schoss gekommen bist. zuerst mit fragenden augen. dann selbstverständlich, weil du weißt, du darfst. dein schwänzchen kitzelt mich dann mal im rücken, mal zwischen den beinen. wo du es dir gerade gemütlich gemacht hast. oder du legst deine pfoten quer über meinen schreibblock, grad so, als wolltest du mitschreiben.
etwas ganz katzentypisches ist mir an dir abgegangen. du hast dich nie geputzt. je länger wir uns kennen entwickelst du dich auch diesbezüglich in eine wirkliche katze. du spürst, bei uns passiert dir nichts, und du kannst dich vollkommen entspannen.
als wir uns das erste mal von dir getrennt, dich im garten zurückgelassen haben, schienst du nichts zu verstehen. du musstest bleiben. eine versperrte türe zwischen dir und uns. und wir verschwinden, einfach so.
du hast sehr schnell gelernt. jetzt weißt du, was unser aufbruch zu bedeuten hat. begleitest uns nicht mal mehr zur tür, sondern suchst dir ein plätzchen, an dem du dich wohlfühlst. aber dein schwänzchen, das du in unserer nähe immer aufgestellt hast, lässt du jetzt hängen. am nächsten tag brauchen wir nicht mehr auf dich warten, ob du wohl kommst. du bist schon da. du wartest auf uns. unter der hütte, auf den brettern, scheinst du es dir wohnlich gemacht zu haben.
wie sehr du uns mehr und mehr vertraust hast du uns gezeigt, indem du mir immer mehr deinen schneeweissen bauch zum streicheln angeboten hast. deine art, mir zu zeigen, es reicht, ist ein ganz zarter biss, von dem nicht einmal spuren deiner zähne in meiner hand zu sehen sind.
auch sonst zeigst du nie krallen. du magst es, deine pfoten in meine hand zu legen, wie händchenhalten. oder wenn ich dich hochhebe, mein gesicht in dein weiches fell drücke, du magst das nur ganz kurz, wirst du dich immer vorsichtig aus der umarmung lösen.
du bist für mich ein geschenk, das der himmel für mich bereit hatte. durch dich fühle ich mich so viel wohler. deswegen hab ich mir auch einen namen für dich ausgedacht. susi oder putzi passt einfach nicht für dich. du bist etwas ganz besonderes.
irgendwo in deinem stammbaum muss es eine tigerkatze geben. dein schwanz spricht eine eindeutige sprache, genauso wie die grauen faustgrossen flecken auf deinem rücken bis in deine linke gesichtshälfte. bauch und beine sind jedoch rein weiss.
dir sieht man auf den ersten blick deine zwei gesichter an. die eine hälfte getigert, mit einer wunderschönen schwarzen augenzeichnung. die andere hälfte strahlendweiss, schon mit einem schimmer ins rosarot.
wenn du mich ansiehst, dann scheint immer ein auge aufmerksamer zu sein, das andere, weisse, irgendwie verschlafen.
deine graue zeichung verbrigt noch eine seite von dir. das unterfell ist wunderschön goldbraun gefärbt. wie bernstein.
das alles hat mich auf den namen amber gebracht. ausserdem klingt er so weich und anschmiegsam, so wie du bist.
meine liebe amber, kätzchen für einen sommer.
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Re: amber

Beitragvon Dragonheart-Sam » 24. Aug 2010, 11:03

Eine echt schöne Geschichte.
Würd mich freuen, wenn wir mal ein kleines Abenteuer von Amber zu lesen bekommen!
Hört sich nämlich ziemlich süß an, die Kleine!
Glg Dragon
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Re: amber

Beitragvon snowy » 28. Aug 2010, 09:23

Schön, dass du die Geschichte ins Forum gepostet hast! :bravo:
Schreiben ist ein Spiel,mein Lieblingsspiel!
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