Der Clown, dessen Maske fiel

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Der Clown, dessen Maske fiel

Beitragvon Aericura » 6. Sep 2010, 15:30

Ullis Geschichte hat den Wunshc in mir geweckt, einen solchen Text zu schreiben. Eben habe ich mich noch mit einem Video in Stimmung gebracht (wird unter dem Gedicht verlinkt).
Ist also mal wieder die ofenfrische Rohform. ;)


Mami, Papi, lasst uns gehn!
Das haben wir noch nie gesehn:
Ein Clown, der lacht und tanzt wie dieser
So fröhlich und lustig – hoffentlich kommt er wieder!

Rote Nase, weißes Gesicht
Grinsende Fratzen um mich herum
Sie lachen, sie schreien
Sie johlen und kreischen
Will laufen, will fliehen
Nicht lachen, nicht tanzen
Nur weinen

Und doch lach ich
Und tanz ich
Und bring sie zum Lachen
Mit rote rNase
Und all diesen Sachen
Wie lange noch
Kann ich's ertragen?
Ab morgen ist Schluss!

Und doch mach ich weiter
Ich tanze und singe
Und springe im Kreis
Und doch möcht ich schreien
Bei all diesem Scheiß!

Entringt sich ein Schluchzen
Aus meinem Mund
Beginn ich zu lachen
Um es zu verstecken
Und lach immer lauter
Bis sie alle gehen

Bin ich allein
So fällt das Gesicht
Stürzt in den Staub
Es kümmert mich nicht
Schminke zerläuft
Wasser fließt hindurch
Allein

Mami, Papi, habt ihr das gesehn?
Ich wünscht, wir müssten noch nicht gehen!
Darf ich es morgen noch einmal anschaun?
Ich liebe diesen lustigen Clown!

Im Geheimen schleich ich zu meinem Versteck
Zum Wagen, den ich bewohn
Dort setz ich mich nieder
Und lass alles raus
Drauf bedacht, dass niemand es sieht

Denn ich muss lachen und springen
Und tanzen und singen
Doch wer will schon sehen
Wie dieser Clown weint?

So, was denkt ihr darüber? Gut? Schlecht? Irgendwas dazwischen? Sagt die Wahrheit! ;)

Und hier noch das Video, mit dem ich mich in Stimmung gebracht habe:

[html]<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/rjCjKWolq-U?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/rjCjKWolq-U?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object>[/html]
„... dieses weiße Papier, das kein Ende nehmen will, brennt einem die Augen aus und darum schreibt man.“
(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: Der Clown, dessen Maske fiel

Beitragvon Dark Veritas » 15. Aug 2011, 06:01

Sers,

ich habe es direkt zweimal gelesen, so sehr hat mich dieses Gedicht berührt.

Wirklich klasse!
Lebe wie du denkst,
und denke darüber, wie du lebst!!!


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Re: Der Clown, dessen Maske fiel

Beitragvon gundula » 19. Aug 2011, 21:35

hej, tine,

dein gedicht kenn ich zwar schon. aber als ich es heute wieder gelesen hab, kamen spontane gedanken.


ist nicht
jeder
ein clown

versteckt
unter masken
zu funktionieren

wer kennt
mein gesicht
nackt

gezeichnet
vom leben

will ertragen
was zu sehn

lieber
sehen masken

berührt ihn
nicht
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