Missbrauch und Vergewaltigung

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Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon Lantaris » 20. Mär 2010, 08:22

Ein Thema geistert wieder mal zur Zeit durch die Medien: Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Diesmal trifft es die Kirche. Immer neue Schreckensmeldungen kommen ans Tageslicht. Doch was wird konkret dagegen unternommen? Die Opfer sind es, die leiden müssen und Schreckliches durchgemacht haben. Werden die Täter zu sehr mit Samthandschuhen angepackt? Zu frühzeitig wieder aus der Haft entlassen? Wie denkt ihr darüber? Was sind eure Meinungen?

Ein anderes, trotzdem ähnliches Thema: Vergewaltigung. Die Opfer: ausschließlich Frauen. Viele schweigen, aus Angst, aus Scham. Die Dunkelziffer ist hoch. Kommt den Opfern wirklich die nötige Hilfe zu? Eure Meinungen zu diesen Themen sind gefragt.
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Re: Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon gundula » 20. Mär 2010, 22:00

die flut der bekannt werdenden missbrauchsfälle lässt menschen schon wieder abstumpfen. es ist zu gewaltig, um es zu begreifen.
aber es ist aufbruch bei den verantwortlichen zu spüren. ich hoffe sehr, der mut lässt sie nicht auf halbem weg unverrichteter dinge steckenbleiben!
burschen, jetzt erwachsene männer, sind opfer. man widmet sich ihnen. lässt ihnen hilfe zukommen. wird es jemals reichen? wohl kaum!

was ist mit den frauen?
hin und wieder kommt ein fall auf. in aller grausamkeit und brutalität. ein fall. und der rest?
ungezählte frauen leiden. viel zu viel wird verschwiegen, unter den teppich gekehrt, das kann nicht sein. das darf nicht sein!
leiden diese frauen denn weniger?

JEDER MISSBRAUCH IST EIN MISSBRAUCH ZU VIEL!

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Re: Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon Aericura » 21. Mär 2010, 23:26

Über die Täter sage ich jetzt mal nichts, weil ich mich mit den vorgeschriebenen und tatsächlichen Haftzeiten nicht auskenne. Aber Fakt ist bei jedem Schaden, den man anderen zufügt: Wenn der Täter es nochmal macht, war die Haftzeit definitiv zu kurz!

Was die Opfer angeht, ist es natürlich sehr tragisch und vielleicht klinge ich jetzt auch ein wenig zynisch, wenn ich Sartre zitiere und sage: "Der Mensch wird sein, wie er sich selbst geschaffen haben wird."
Klar - kleine Kinder haben keinerlei Einfluss auf das, was Erwachsene ihnen antun, aber bei einigen der "Erwachsenen" (bewusst in Anführungsstriche gesetzt) ist es ganz einfach so, dass sie selbst herausfordern, dass es passiert, oder dass der Missbrauch länger andauert. Die vielen autobiografischen Werke (z.B. "Sie nannten mich es" oder "Ausgeliefert - Wie ich die Hölle meiner Kindheit überlebte") zeigen doch, dass der Kreis nur dann durchbrochen werden kann, wenn man es nicht länger zulässt. Wenn man Nein sagt. Wenn man sich Hilfe sucht. Solche Literatur kann ich Opfern übrigens nur empfehlen, da man in fast jedem dieser Bücher liest, dass es den Opfern Mut macht, dass sie nicht die Einzigen sind und dass andere es geschafft haben.

Zum Thema Abstumpfung: Die Flut an Informationen (und Details) dürfen den Bürger gar nicht berühren, denn wenn wenn ihm alles nahe gehen würde, was in der Welt geschieht, käme niemand mehr ohne Antidepressiva aus. Allerdings hat diese Art der Berichterstattung (und auch die Nutzung des Themas "Gewalt" für Filme, Spiele, Musik, ...) einen sehr negativen Nebeneffekt: Durch die Abstumpfung suchen wir etwas, das uns erschüttert - und je mehr wir schon gehört/gelesen/gesehen haben, desto heftiger muss es sein.
Ich verlinke dazu mal den Song "Blut und Spiele" von Metallspürhunde, weil er mir passend erscheint:
http://www.youtube.com/watch?v=jsxnmJk0YNI
„... dieses weiße Papier, das kein Ende nehmen will, brennt einem die Augen aus und darum schreibt man.“
(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon gundula » 22. Mär 2010, 18:01

hast du jemals mit missbrauchsopfern gesprochen???

-- Klar - kleine Kinder haben keinerlei Einfluss auf das, was Erwachsene ihnen antun, aber bei einigen der "Erwachsenen" (bewusst in Anführungsstriche gesetzt) ist es ganz einfach so, dass sie selbst herausfordern, dass es passiert, oder dass der Missbrauch länger andauert.

und dann heisst es hinter vorgehaltener hand: ach die, die hat es ja selber so wollen. - meinst du das so???

zwischen täter und opfer besteht sehr oft ein abhängigkeitsverhältnis. dann ist immer macht im spiel. und, paradoxerweise, manchmal auch ein lustgefühl. das dann wiederum ein schuldgefühl erzeugt.

ich hab mit gebildeten frauen gesprochen, die als jugendliche von ihren vätern über jahre hinweg missbraucht worden sind. für sie war das "normal"! sie kannten es nicht anders. darüber sprechen durften sie ohnehin nicht.

du musst als frau erst einmal zu der erkenntnis gelangen, dass du opfer bist. dann steht immer noch die macht des mannes als übergrosse mauer vor dir.

-- Die vielen autobiografischen Werke (z.B. "Sie nannten mich es" oder "Ausgeliefert - Wie ich die Hölle meiner Kindheit überlebte") zeigen doch, dass der Kreis nur dann durchbrochen werden kann, wenn man es nicht länger zulässt. Wenn man Nein sagt. Wenn man sich Hilfe sucht.

klingt nicht schlecht.... wenn man nein sagt.... wenn man sich hilfe holt...
bloss... da gehört ungeheuer viel mut dazu. traust du das jedem missbrauchsopfer zu???
ich nicht!!!

sehr wichtig wäre es, sich als schlussendlich "überlebende" zu vernetzen, um zu sehen, wie andere frauen damit umgehen. zu sehen, ich bin nicht die einzige, andere haben es auch geschafft!

aus meiner erfahrung weiss ich, dass es in österreich nur eine einzige selbsthilfegruppe gibt!!!
und das ist eine schande!

in gesprächen hab ich erfahren, eine solche gruppe zu leiten ist äussert schwierig. trotzdem ist eine gruppe viel zu wenig!!!

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Re: Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon Aericura » 22. Mär 2010, 18:06

Also erstmal sagte ich nicht, dass diese Frauen es so wollen, sondern dass sie es herausfordern oder ein Teil der Ursache sind. Ob man nachts durch dunkle Gassen laufen oder im Internet seine Adresse rausgeben sollte, ist doch sehr fraglich.

Und sich Hilfe zu holen ist sicher schwer, das glaube ich. Aber wenn etwas schwierig ist, steht immer die Frage im Raum: Wie sehr willst du es?
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Re: Missbrauch und Vergewaltigung

Beitragvon gundula » 22. Mär 2010, 18:38

-- Also erstmal sagte ich nicht, dass diese Frauen es so wollen, sondern dass sie es herausfordern oder ein Teil der Ursache sind. Ob man nachts durch dunkle Gassen laufen oder im Internet seine Adresse rausgeben sollte, ist doch sehr fraglich.

ok. da stimm ich dir zu!

-- Und sich Hilfe zu holen ist sicher schwer, das glaube ich. Aber wenn etwas schwierig ist, steht immer die Frage im Raum: Wie sehr willst du es?

es ist nicht jeder frau gegeben, sich schwierigem zu stellen. und, wie schwierig ist schwierig? ist doch auch sehr individuell.

bin ich verbraucht durch das erleben, musste ich mich so schützen, dass keine kraft mehr da ist, wollen nur mehr an der oberfläche...
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