Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

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Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon Lantaris » 16. Mär 2010, 11:49

Ihr kennt doch sicherlich auch Workaholics, Menschen die nur noch für ihre Arbeit leben, quasi mit ihr verheiratet sind.
Menschen die keinen Sinn für Abwechslung haben, sondern nur noch an ihren Job denken.

Oder aber, Berufe in denen man sich vollends aufgeben muss, Alten- oder Krankenpfleger z.B.
Oder aber auch der Einzelhandel, in denen Verkäuferinnen teilweise von früh bis spät arbeiten müssen und so keine Zeit mehr für die Familie haben.
Z.B habe ich von einer Filiale gehört, in der Doppelschicht hieß, früh 8 Stunden und abends 8 stunden, (8 Stunden davon natürlich als unbezahlte Überstunden)
Auch ich habe meine Erfahrung damit gemacht, als ich in der Altenpflege gelernt habe, konnte ich mich während meiner Parktikumszeit von Freizeit verabschieden. Da hies es zwei Wochen am Stück früh und abends Arbeiten.
Klar, ich hatte mir das selbst ausgesucht, aber zwei Wochen am Stück früh und spät schlaucht ganz schön.

Oder die von vielen verhasste Nachtschicht.
In vielen Betrieben werden ja Nachtschichten gefordert, sogar in einer Küche wird das von Mitarbeitern verlangt.
Klar, in Krabnkenhäusern und Pflegeheimes läuchtet mir das ein, aber in einer Küche Nachtschicht machen...

Da bleibt keine Zeit mehr für Familie, Freunde und andere Aktivitäten.

Wie steht ihr dazu?
Seht ihr auch Arbeit als Lebenssinn, oder sind euch Freunde und Familie wichtiger.
Mich würden eure Meinungen dazu sehr interesieren.
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Re: Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon Aericura » 16. Mär 2010, 12:24

Letzten Endes muss das jeder für sich selbst entscheiden und wenn man sich für einen Beruf entscheidet, sollte man sich vorher informieren, wie viel Freizeit einem bleibt.
Für mich käme das überhaupt nicht infrage! Ich brauche viel Zeit für mich, vor allem weil ich mir auch viel Zeit nehme, um Freundschaften zu pflegen (und diese Zeit logischerweise überwiegend von meiner Freizeit "abzwacke")! Es gibt ganze drei "Jobs", die ich 24/7 ausführen würde: Mutter, Ehefrau und Freundin. Mutter und Ehefrau kommen noch, aber für meine Freunde bin ich immer da - und wenns nachts um 2 ist.
Wenn mir jedoch die Zeit für die oben genannten "Aufgaben" fehlt und ich auch keine Zeit mehr für mich habe, kommt für mich der Zeitpunkt, an dem ich mich fragen muss: Ist das wirklich der richtige Job für mich?
Aber wie gesagt: Das muss jeder für dich selbst entscheiden.
„... dieses weiße Papier, das kein Ende nehmen will, brennt einem die Augen aus und darum schreibt man.“
(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon Dragonheart-Sam » 16. Mär 2010, 16:56

Hey!

Während ich in Wien studiert habe, bin ich ja immer hin und her gependelt. Daheim, Uni, Geschäft. Ich habe damals ja schon drei Jahre lang fix im Familienbetrieb mitgearbeitet. Ich hatte mir zuerst zwei und dann sogar drei Studienrichtungen ausgesucht und das auch voll gemacht. Nebenbei aber durfte ich natürlich meine Arbeit im Betrieb nicht allzu sehr vernachlässigen.
Das war schon heftig. Ich hatte oft Uni von 7 in der Früh bis 8 am Abend. Bin dann noch eine gute Stunde mit Zug und Öffis unterwegs gewesen, bis ich daheim war. Dann schnell ins Geschäft, noch Buchhaltung, oder Spezialarbeiten wie Angebot etc. machen und um 11 oder 12 heim und ins Bett. Glücklicherweise hab ich überm Geschäft eine Wohnung, aber trotzdem mit dem Abschalten, das funktioniert nicht.

Irgendwann muss man die Notbremse ziehen, aber ich hab es immer so gehalten. An erster Stelle kommt die Familie, an zweiter die Freunde und ich selbst und ALLES ANDERE kommt erst danach. Das hilft schon. Aber die Härte muss man haben, wenn am Sonntag um sechs in der Früh, Kunden an deine Tür trommeln und du dann parat stehen sollst. Naja. So ist das Leben.

Mir persönlich muss die Arbeit Spaß machen, und das macht sie glücklicherweise, dann kann man sich alles einteilen. Aber die Menschen, um einen herum, sind sehr wichtig und sollten deshalb auch immer Vorrang haben.

Glg Babsi ;)
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Re: Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon gundula » 16. Mär 2010, 18:06

vor einigen jahren bin ich durch eine lebenskrise aus dem üblichen schnellen alltag in einem gemächlichen trott gelandet. quasi als zuschauer konnte ich das leben rund um mich betrachten. und... ich hatte das privileg ZEIT.
niemand hat mehr wirklich zeit. das ist mir vorallem aufgefallen beim knüpfen neuer bekanntschaften. irgendwann sind diese wieder versandet... weil in den jeweiligen leben kein raum für noch mehr war.
ich habe immer noch das privileg zeit. dadurch kann ich augenblicke nicht nur im vorübergehn erleben, sondern sie wirklich leben... auskosten.... geniessen....
das macht mein leben aus. und ich möchte es nicht tauschen.

lg
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Re: Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon Lantaris » 16. Mär 2010, 18:22

Gundula: Wie schön du das geschrieben hast. Ja, in der heutigen sehr stressigen und schnell-lebigen Zeit rauscht das Geschehen um einen herum nur so an einem vorbei. Man kriegt eigentlich gar nichts mehr so richtig mit. Manche Arbeitsplätze verlangen einem viel ab, man soll am besten rund um die Uhr. Als ich noch Kind war - ich erinnere mich genau - öffneten die Geschäfte erst um 9.00 und machten um 17.00 Uhr die Läden zu. Und heute: manche schließen erst um 20.00 oder 21.00 Uhr oder überhaupt nicht. Nur ein Beispiel, ein ganz kleines, von vielen. Wo gibt es denn heute noch Jobs die einen 8 Stunden Tag haben und fertig. Kaum noch irgendwo. Man redet immer von 40 Stunden Woche (und selbst 38 Stunden Woche ist ein Thema) aber in der Praxis sieht es ganz anders aus. Wenn ich von Morgens früh um 5.00 oder 6.00 bis spät Abends 21.00, 22.00 oder gar 23.00 Uhr arbeiten muss ... wo bleibt dann das eigentliche Leben? Jetzt kann man sagen: Du spürst es doch ... das Leben ... in den Gliedern, in den Knochen ... vom vielen Ackern. (grins) ;)
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Re: Ist Arbeit wichtiger als privates Umfeld?

Beitragvon Dingo » 18. Mär 2010, 08:37

Ich kann mich Gundula nur anschließen.

Bis vor 6 Jahren hatte ich einen Bürojob mit regelmäßigen Arbeitszeiten und viel Verantwortung. D.h. auch wenn ich längst zu Hause war, abschalten konnte ich nicht. Das Blöde war (damals habe ich es nicht mal bemerkt), dass ich mit der Firma verheiratet war und das wirklich Wichtige im Leben auf der Strecke blieb. Irgendwann gab es dann "Alarm" in der Familie. Zum Glück habe ich gerade noch rechtzeitig die Notbremse gezogen, mich schnellstmöglich vom Büro verabschiedet und selbständig gemacht.

Auf einmal wurde das Wort Stress ein Fremdwort, weil niemand mir mehr in die Hacken trat. Und ich bin bestimmt kein Langsamtreter. Klar gibt es auch jetzt mal nervige Momente, aber durch die freie Zeiteinteilung kann ich sie gelassener angehen. Auch wenn es mir finanziell schon mal besser ging, tauschen möchte ich nicht mehr. Mein Leben hat andere Prioritäten erhalten.
Dingo
 


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