15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Die Mehrteiler-Story KOMPLIZIERTE LIEBE von Nailra

15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Beitragvon Nailra » 5. Jan 2011, 22:48

15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Aufgewühlt lief ich im Wohnzimmer auf und ab. Es war schon nach Mitternacht! Und keine Spur von Vinc! Flo kam verschlafen ins Wohnzimmer getrottet, rieb sich den Schlaf aus den Augen und sagte:„Komm schon, Co! Geh ins Bett! Vinc ist alt genug und weiss was er tut! Du wirst sehen, ein wenig Schlaf wird dir gut tun!“

Ich hatte Flo erzählt was passiert war und er hatte nicht recht gewusst, wie er reagieren sollte. Bis zu Letzt war das Gespräch ziemlich unangenehm geworden. „Du weisst doch wie… also… ein Kondom… also…“, hatte er gestammelt.
„Och, komm schon, FLO! Ich bin 21 Jahre alt! Komm mir nicht mit einem ‚aufklärendem Gespräch‘! Da kommst du ein wenig zu spät!“

„Warum kommt er nicht nach Hause, Flo? Vielleicht ist ihm etwas passiert! Ich könnte mir das niemals verzeihen...“ Ich war den Tränen nahe. Flo gähnte und sagte:„ Dann ruf ihn doch an und frag ihn selber! Ich bin kein Hellseher… Ich geh‘ zurück ins Bett. Co, versprich mir, dass du auch bald gehen wirst.“
„Jaja.“ Ich rannte fast zum Telefon. Flo nannte mich seit acht Jahren nicht mehr Co. Ich fragte mich, warum er es jetzt wieder tat.
Vinc Handy war ausgeschaltet, deshalb versuchte ich es in der Werkstatt.
„Hallo! Ich bin gerade nicht in der Werkstatt. Bitte hinterlass mir eine Nachricht nach dem Pips-Ton. Vincent Corney.“, ertönte seine Stimme. Ich räusperte mich und sagte:„ Hallo Vinc. Ich bin es nochmal. Ich weiss, es ist etwa das hundertste Mal, dass ich auf den Telefonbeantworter spreche, aber bitte, bitte Vinc! Melde dich doch endlich! Ich möchte einfach wissen, ob es dir gut geht.“ Ich schwieg. Ich wusste einfach nicht, was ich noch sagen sollte. „Es tut mir leid, Vinc!“ Man hörte aus meiner Stimme, dass ich weinte und dafür hasste ich mich. Ich wollte nicht, dass er weiss, dass ich weinte. „Hörst du?! Es tut mir leid! Ich weiss gar nicht, für was ich mich entschuldige! Ich trage keine Schuld! Kai und ich sind zusammen und wir lieben uns. Ich weiss gar nicht warum du so ein Theater machst! Was geht dich das an?!“ Ich hörte ein Klicken. Vinc hatte den Hörer abgenommen.
„Oh, das geht mir sehr wohl etwas an!
Erstens: Er ist mein bester Freund
zweitens: Du wohnst bei mir
drittens: Du bist die kleine Schwester von Flo!“ Ich wischte mir mit dem Handrücken die Tränen weg. Jetzt war ich nicht mehr traurig, sondern wütend. Stocksauer trifft es eher.
„Das sind keine Gründe! Gib’s doch zu: Du willst nicht, dass ich glücklich werde!“
„Cora, es dreht sich nicht immer alles um dich!“
„Also… tz! Es dreht sich nicht immer alles um mich?! Was ist das für eine Unterstellung?! Mein Leben ist beschissen! Ich möchte auch einmal glücklich sein und geliebt werden!“
„Siehst du?! Es geht schon wieder nur um dich und dein beschissenes Leben! Hallo, Cora?! Schau dich Mal um!“ Mit diesen Worten legte er auf. Ich rief noch einmal an und schrie auf das Tonband:„ Sollst du doch in der Werkstatt verrecken und in der Hölle verschmoren!“ Gerade als ich das Telefon hingelegt hatte, rief er zurück. Ich musste den Hörer einige Zentimeter von meinem Ohr entfernt halten, da er wie ein Verrückter schrie:„ Ich soll schmoren?! Willst du, dass ich sterbe?! Willst du das unbedingt?! Da dann! Auf NIEWIEDERSEHEN! Hoffentlich wirst du glücklich mit diesem Arschloch! Pass einfach auf! Der fickt jede, die nicht auf drei auf einem Baum geklettert ist! Warum sage ich dir das eigentlich?! Es kann mir ja scheiss egal sein! Du willst ja, dass ich sterbe! Dann muss ich dir doch auch keinen Gefallen tun und dir vor Kai warnen! Shit… ich warne dich vor meinem besten Freund! Das ist ein verdammt scheiss Gefühl… Aber das ist ja auch egal, weil es nur der ach so unglücklichen Lady nicht gut gehen kann!“ Und wieder legte er auf. Dieses Mal blieb es ruhig. Er rief nicht mehr an und ich hatte keine Kraft mehr ihm zurück zu rufen. Ich war einfach nur wütend auf ihn, obwohl ich insgeheim wusste, dass er recht hatte. Ich glaube, genau deshalb war ich wütend auf ihn. Weil er der Einzige war, der mir die Wahrheit genau ins Gesicht sagt.
„Seid ihr fertig mit dem Gebrüll?“, fragte Flo, der im Türrahmen stand.
„Seit wann stehst du da?!“ Ich starrte das Telefon vor mir an. Vielleicht rief er ja trotzdem noch an.
„Seit… eigentlich seit dem ich gesagt habe, dass ich wieder ins Bett gehe…“
Vielleicht ruft er doch noch einmal an.
„Tut mir ja leid, aber ich wollte wissen, was du ihm sagst. Und was er dir sagt… und was du dann sagst.“ Er schlug sich selber gegen die Stirn.„Sorry, ich bin müde. Mein Gehirn arbeitet nicht mehr richtig. Cora? Geht’s dir gut?“ Er kam zu mir rüber. Ich flüsterte leise:„Vielleicht ruft er ja noch einmal an…“ Flo schaute mich irritiert an.
„Ehm… könntest du mir sagen, warum du möchtest, dass er noch einmal anruft?!“
„Ich weiss es nicht…“ Damit ich seine Stimme höre. „Er… er hat so recht, Flo. Ich bin der grösste Egoist, den es gibt.“
Er räusperte sich.„Ok… etwas Wahres hat es schon an sich. Aber hey! Dann wärst du doch nicht meine kleine Cora, oder? Du bist, was du bist. Ob egoistisch oder nicht. Dich gibt es nur so und nicht anders. Die Andern können entweder damit leben oder sie können’s nicht. Das ist nicht dein Problem.“
Durch Tränen schaute ich zu Flo rauf.„Danke, für die Worte…“
„Komm mal her, Schwesterherz.“ Er nahm mich in die Arme und ich weinte mich an seiner Schulter aus.
„Du solltest jetzt versuchen, ein wenig Schlaf zu finden.“ Er führte mich in mein Zimmer.
„Gute Nacht, Flo.“
„Nacht, Cora.“ Er ging in sein Zimmer. Ich wälzte mich unruhig hin und her, bis mich der Schlaf endlich überrannte.

Ich erwachte schlagartig. In meinem Zimmer war es hell. Ich drehte mich um und schaute direkt auf Vinc. Er hatte sich auf einen Stuhl gegenüber dem Sofa-Bett gesetzt und schaute mich einfach an.
„Was tust…“ Er unterbrach mich.
„Es tut mir leid. Ich bin gestern einfach ausgerastet.“ Ich richtete mich auf und setzte mich auf die Bettkante.
„Mir tut’s auch leid. Ich wollte… ich WILL nicht, dass du dich umbringst und in der Hölle schmorst.“
Bedrückt schaute ich zu Boden. Er kam zu mir, kniete sich vor mich hin, schob seine Finger unter mein Kinn und hob mein Gesicht so, dass ich ihm in die Augen schauen musste.
„Hey, das ist schon vergessen…“ Mein Handy klingelte. Er seufzte und richtete sich wieder auf.
„Du solltest schnell ran gehen. Es ist bestimmt Kai. Er hat schon zig Mal angerufen…“
„Was ist denn für Zeit?!“
„Halbsechs.“ Er verliess mein Zimmer und ich hatte keine andere Wahl, als meinem geliebten Kai zu erklären, warum ich den ganzen Tag verpennt hatte.
Das wahre und sichtbare Glück des Lebens
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Re: 15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Beitragvon Aericura » 5. Jan 2011, 22:58

Vinc ausgerastet! O_O
Böse Cora! Ärgert immer den Vinc! ò_ó
Dann nehm ich ihn! ^-^

Diesen Teil finde ich jetzt nicht sooo gelungen, aber das wird schon. Aber mal im Ernst: Ein Kuss und schon ist Cora unsterblich verliebt? Ich meine, in meinen Geschichten ist das auch oft der Auslöser für eine Beziehung - aber dann sind schon vorher Gefühle da. Ansonsten sorgen Küsse bei meinen Protas eher für Verwirrung.. ^-^°
Also ich finde das ein wenig übertrieben...
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(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: 15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Beitragvon Nailra » 5. Jan 2011, 23:06

Ich habe doch gesagt, dass es der total Schwachsinn ist -.-
Bei Cora bin ich mir nicht sicher... ich glaube, sie will einfach geliebt werden und deshalb... ist sie eine Person die ich nicht gerne habe, aber leider ist sie meine Hauptdüdeldiperson... (Sorry, das Wort fand ich gerade voll cool ^^)
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Re: 15. Nichts als die bittere Wahrheit...

Beitragvon Aericura » 5. Jan 2011, 23:14

Hauptdüdeldiperson :totlach:

Cora ist extrem kindisch für ihr Alter... Und das sage gerade ich, die fast genauso alt ist und niemals erwachsen werden will! XD
Aber vielleicht erlangt sie in de rGeschichte ja die Reife, an der es ihr jetzt mangelt? Das wäre ein gutes Ziel für den weiteren Verlauf! ;)
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