8. Besuch

Die Mehrteiler-Story KOMPLIZIERTE LIEBE von Nailra

8. Besuch

Beitragvon Nailra » 28. Jul 2010, 21:58

8. Besuch
Lachend öffnete ich die Haustür. Es war ein super lustiges Mittagessen gewesen und jetzt freute ich mich mit Flo und Vinc den Nachmittag zu verbringen. Es war leider schon 16h aber ich und Vinc hatten es so toll gehabt, ich hatte nicht eher nach Hause kommen wollen.
„Flo? Bist du da?“, fragte ich als ich meine Schuhe und Jacke auszog.
„Cora Anderson! Komm sofort hier her!“
Ich blieb reglos stehen und die Farbe wich aus meinem Gesicht.
„Wer ist das?“, flüsterte mir Vinc ins Ohr.
„MOM!“ Er verzog das Gesicht.
„ Wenn du mich brauchst, ich bin im Zimmer.“ Er ging gerade aus, direkt in sein Zimmer.
Der Glückliche. Ich ging langsam ins Wohnzimmer. Meine Mutter sass auf dem Sofa und mein Bruder ihr gegenüber. Er schaute mich wütend wenn auch hilfesuchend an. Wie lange er sich wohl schon die Vorwürfe anhören musste?
„Hi Mom! Was machst du denn hier?“
„Dasselbe könnte ich dich fragen! Warum bist du nicht in Kanada?!“
„Mom, ich…“
„Ich erhalte ein Telefon von der Direktion und du bist nicht erreichbar! Nicht einmal auf deinem Handy! Weisst du eigentlich was für Sorgen ich mich gemacht habe?!“ Unwahrscheinlich.
„Ich versuche deinen Bruder zu erreichen, doch es hat gar nicht funktioniert! Bis vor 4 Stunden! Ich kann es nicht fassen! Du hast das Telefonkabel heraus gezogen?! Warum?! Damit ich dich nicht anrufen kann oder was?!
„Es tut mir le…“
„Es tut mir leid?! Ist dass das Einzige was du dazu sagen kannst? Dein Vater hat jeden Rappen auf die Seite gelegt damit er dir das Jurastudium bezahlen kann! Er wollte seinem kleinen Mädchen, auf dessen er so stolz war, den grössten Wunsch erfüllen! Und so ist dein Dank dafür?! Indem du es einfach hinwirfst?! Sei froh, dass dein Vater das nicht mehr miterleben kann! Er wäre furchtbar enttäuscht von dir… und das bin ich auch!“
Tränen kullerten mein Gesicht hinunter.

Anwältin war schon immer mein Traumberuf gewesen. Ich war mein Vaters ganzer Stolz und er war der wichtigste Mensch in meinem Leben. Er wollte dafür sterben um mir diesen Traum zu erfüllen und genau das geschah am Ende. Eines Tages wurde Krebs bei ihm diagnostiziert. Er starb und für mich brach die Welt zusammen. Er hätte länger leben können, hätten wir mit dem ersparten Geld die Behandlung bezahlt. Doch er hatte sich geweigert. Dieses Geld sei für mich und meine Ausbildung bestimmt und nicht für eine Behandlung die sowieso nichts nützt.
Flo hatte einen Job gefunden und zog weg. Weit, weit weg und ich konnte ihm nicht folgen.
Meine Mom verliebte sich nach ein paar Jahren (7 Jahre, 5 Monate und 2 Tage um genau zu sein) neu. Und zwar in ein Arschloch namens Brian. Er redete ihr Sachen über mich ein, die gar nicht stimmten und so verschlechterte sich das Verhältnis zwischen mir und meiner Mom immer mehr.
Ich begann mein Jurastudium und wählte ein Ort, wo ich Brian los war: Kanada, das Lieblingsland meines Vaters.

„Hörst du mir überhaupt zu?“ Ich wischte mir mit dem Handrücken die Tränen weg und nickte.
„Ich habe alles geklärt. Du fliegst heute Abend und kannst Donnerstag wieder anfangen mit studieren. Ich habe viel Riskiert für dich und wegen dir haben ich und Brian jetzt Streit!“
„Mann, Mom! Wie viel Mal muss ich dir noch sagen, dass Brian ein Arschloch ist! Du solltest ihm den Laufpass geben und zu machen, dass du nie mehr etwas mit dem zu tun hast! Und ich werde ganz sicher nicht zurück gehen! Das kannst du dir sonst wohin schieben!“
Ihre Nasenflügel blähten sich und ihre Augen formten sich zu furchterregende Schlitze.
„Du sollst nicht so über ihn reden! Er hatte völlig recht, du bist es nicht wert, dass man sich so für dich einsetzt! Schlussendlich ist dein Vater wegen dem und wegen dir gestorben!“
„Mom! Du darfst nicht so reden! Es war ganz bestimmt nicht ihre Schuld!“, mischte sich Flo ein, doch mit einem Blick von Mom, der keine Wiederrede duldete, sank er wieder in regloses Schweigen.
„Wo hast du ihn eigentlich liegen gelassen?“
„Brian ist im Hotel geblieben und schläft, nach dieser anstrengenden Fahrt hierher.“
„Er hat, glaube ich, genug geschlafen damit ihr noch heute wieder nach Hause fahren könnt!“
„Oh nein, Cora! Du kommst mit uns und auch wenn ich dich an den Haaren hier raus ziehen muss!“
„Mom, da hast du etwas verpasst: Mein 18ter Geburtstag war vor drei Jahren! Ich darf machen was ich will und du hast mir überhaupt gar nichts zu sagen! Ich würde dir jetzt anraten zu gehen oder es wird ziemlich ungemütlich!“
„Ich möchte gerne, dass wir das noch einmal richtig besprechen. Wir gehen heute Abend essen. Als FAMILIE. 19 Uhr vor eurem Haus und keine Minute später!“ Sie stand auf und verliess die Wohnung.
Für mich war sie nicht meine Mom gewesen. Sie war eine normale Frau, die behauptete, meine Mutter zu sein. Seit dem Tod unseres Vaters hasste ich sie.
Tränen, die auf meine Hände aufprallten, holten mich wieder in die Realität zurück. Flo war vor mir in die Knie gegangen und drückte mir die Hand.
„Das wird schon wieder. Heute Abend gehen wir essen und Morgen fahren sie wieder ab.“
„Wenn das so einfach wäre!“
„Und ob das so einfach ist! Du bleibst bei uns, ein Zimmer hast du ja bereits. Du musst nur etwas an die Miete beitragen. Und in null Komma nichts sind wir Mom und Brian wieder los. Wir müssen nur den Abend überstehen…“
„Darf ich wirklich hier bleiben? Macht es euch nichts aus?“
„Mir macht es nichts aus und Vinc… dem macht es ganz bestimmt nichts aus, oder?“
„Nein“ Ich erschrak heftig, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass er direkt hinter mir steht.
„Danke…“
„Also! Dann hätten wir das auch schon geklärt und bis 19 Uhr haben wir noch zwei Stunden… wie wär’s damit?“ Er streckte uns die DvD Oben hin.„Letztes Mal sind wir nicht dazu gekommen in fertig zu schauen…“
Flo war einverstanden und wir machten es uns auf dem Sofa bequem, was nicht so leicht war auf einem solch kleinen. Ich quetschte mich zwischen die beiden Männer und wir schauten den Film. Diesmal ohne Fragen zu stellen, doch in meinem Kopf kreisten genug…

:feedback:
Das wahre und sichtbare Glück des Lebens
liegt nicht ausser uns, sondern in uns.

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Re: 8. Besuch

Beitragvon Aericura » 28. Jul 2010, 22:50

"Mom" is doof! -_-

So, heute wieder kritischer! XD

Ich erhalte ein Telefon von der Direktion


Ein Telefon? Nicht vielleicht ein Telefonat, also einen Anruf? Oder eine Telefonnummer?

Wiederrede


"wieder"= erneut, noch einmal, also: noch einmal reden
"wider"= gegen, also: Gegenrede
Wenn es also Wiederrede ist, heißt das, dass Flo ihre Worte wiederholt. ;)

Seit dem Tod unseres Vaters hasste ich sie.


o_O
Also zwischen einem schlechten Verhältnis und Hass liegen ja imme rnoch Welten! What the FAQ ist passiert, dass sie sagt, dass sie ihre eigene Mutter hasst? Also Lola käme sowas nie über die Lippen... glaube ich... ^-^°

So, dann auf die Stifte, fertig, schreiben! ;)
Oder frei nach Wilhelm Busch: "Dieses war der achte Streich, doch der neunte folgt sogleich!"
„... dieses weiße Papier, das kein Ende nehmen will, brennt einem die Augen aus und darum schreibt man.“
(Franz Kafka, Brief an Milena Jesenská vom 31. Mai 1920)
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Re: 8. Besuch

Beitragvon Nailra » 18. Sep 2010, 15:37

Ich will dir das erklären xD
Was würdest Du für deine Mutter fühlen, wenn sie dich die ganze Zeit in Stich gelassen hätte. Dir sogar die Schuld gibt, dass dein Vater wegen DIR gestorben ist und sie dir das die ganze Zeit unter die Nase bindet. Du bist schuld, Du bist schuld, DU BIST SCHULD!
Dann tritt ein neuer Mann in euer Leben. Deine Mutter verliebt sich neu, du freust dich. Aber dann:
Dieser Mann, Brian, hat dich nicht gern. Du bist ihm ein Dorn ihm Auge und will dich los werden, will deine Mutter für sich allein. Er redet deiner Mutter Sachen ein, die gar nicht stimmten. Dass du Drogen nimmst, dass du heimlich das Haus verlässt, dass du lügst, dass du sie und andere beklaust... und noch viel mehr... Was würdest du da fühlen? Würdest du sie nicht hassen?
Vielleicht habe ich ein wenig übertrieben, dass kann schon sein :bigboss:
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liegt nicht ausser uns, sondern in uns.

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