Schlüssel der Verdammnis

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Schlüssel der Verdammnis

Beitragvon Dragonlady » 21. Jan 2011, 21:45

Schlüssel der Verdammnis

Still, vergnügt und nichts ahnend legte ich die Schrippen vor. Dazu hatte ich mich in den Schrippenvorlegeraum zurückgezogen, um nicht von den Kunden belästigt zu werden.
Draußen vor der Tür lief alles auf hoch Betrieb, die Kunden drängten sich durch die Gänge ohne Rücksicht auf den anderen zu nehmen.
Schnell versuchten sie die Regale zu plündern, wobei sie ein Feld der Verwüstung zurück ließen.
Denn jeder wollte der erste an der Kasse sein, die meisten Kunden hatten nicht besonders viel Zeit, insbesondere die Rentner um die nächste Talkshow im Fernsehen nicht zu verpassen.
Meine Kollegen befanden sich mitten in diesem Gewirr aus Menschenmassen und packten die restliche Ware aus.
Um dies ungestört zu tun hatten sie sich perfekt an ihre Umgebung angepasst. Dabei war es wichtig so gestresst wie möglich auszusehen.
Ich verließ den Schrippenraum um ein paar Brötchen zu backen. Der Ofen stand nur ein kleines Stück von der Tür entfernt.
Geschickt und lautlos schlich ich aus der Tür.
Mit der Zeit hatte man gelernt sich unauffällig zu verhalten, sich voll und ganz dem Laden anzupassen. So das man gar nicht mehr auffiel.
Immerhin wollte ich meine Ruhe haben.
Gerade als ich die Backofentür geschlossen hatte drang ein Klingeln durch die Unruhe.
Ich erstarrte, denn dieses klingeln verhieß nichts gutes.
Schon sehr oft bin ich seinem Ruf gefolgt und jedesmal lief es gleich ab.
Es bedeutete den Untergang! Meinen Untergang.
Das Klingeln für den Stornoschlüssel und ausgerechnet ich hatte ihn.
Damals wurde ich von Chefin persönlich für diese Aufgabe auserwählt. Sie sagte damals es sei meine Bestimmung diesen Schlüssel zu tragen und dem Ruf der Klingel zu folgen. Von uns allen besaß ich die stärksten Nerven und die schnellsten Beine.
Nun gab es kein Entrinnen, ich musste meine Tarnung aufgeben.
Die suchenden Kunden hatten bereits ihr Verkäuferinaufspürradar aktiviert.
Bis zur Kasse war es ein kleines Stück Weg. Doch ich musste es schaffen.
Meine Kollegen hatten sich bereits in den Pausenraum zurückgezogen um Kaffe zu trinken, wie es eine alte Legende vorschrieb.
Mutig trat ich meinen Weg an um meiner Bestimmung zu folgen.
Da fiel auch schon der erste Kunde über mich her. Natürlich hielt er sich nicht lange mit Höflichkeiten auf, sondern kam gleich zur Sache.
“Butter, Butter! Wo ist die Butter?”
“Dort hinten im Kühlregal.” Antwortete ich. Wo sollte sie auch sonst stehen?
Aus der nächsten Kurve heraus, bei den Kühltruhen, kam auch schon die nächste Kundin auf.
“Bitte sagen sie mir, wie teuer sind die Schokoriegel da steht kein Preis.”
Gerade als ich antworten wollte ging der nächste Kunde dazwischen und fragte: “Welcher von den beiden Fleischsalat ist den besser?” Achja ist es nicht schön wenn man alleine auf der Welt ist?
“Bitte einer nach den anderen....”
“Warum ist der Eisbergsalat so teuer?” Ging noch ein weiterer dazwischen. Ich raufte mir die Haare in diesem Wirrwarr, meine Haare mussten jetzt ziemlich zerzaust aussehen. In Fachkreisen nennt man das auch eine Kampffrisur.
“Das mit dem Schokoriegel werde ich sofort an der Kasse in Erfahrung bringen. Welcher von den beiden Fleischsalate ihnen besser schmecken würde weiss ich nicht, aber ich würde mich für den ersten entscheiden. Warum der Eisbergsalat so teuer ist? Keine Ahnung, ich mache die Preise nicht.” Was glauben die manchmal eigentlich? Sehe ich vielleicht wie ein wandelndes Lexikon aus?
Es klingelte noch einmal. Jaja schon gut, bin auf den Weg.
Fast hatte ich die Kasse erreicht, die Kunden sahen schon ziemlich genervt aus.
Wie ein Rudel blutrünstiger Wölfe starrten sie mich an, bereit dazu ihre Beute zu zerfleischen.
Drei von vier Kassen waren geöffnet.
Schnell und geschickt lief ich durch den freien Kassenraum, bevor noch jemand auf die Idee kommt mich nach einer weiteren Kasse zu fragen.
“Ja bitte, wer hat geklingelt?”
“Ist schon gut, hat sich gerade erledigt.” Es hatte sich erledigt!? Einfach so? Da für habe ich mich den ganzen weg hier her durchgekämpft? Für nichts! Geht’s noch!?
Schnell erfragte ich noch den Preis des Schokoriegels und ging dann in Richtung Eingang, um nicht durch die Schlange von Kunden zu müssen.
Verzweifelt suchte ich nun die Frau, denn sie war nicht mehr da wo ich sie zurückgelassen hatte.
Als ich sah das ein Kunde direkt auf mich zu kam bog ich schnell ins Regal ein um ihn abzuhängen.
Perfekt getarnt stellte ich mich suchend und genervt an ein Regal. Der Kunde bemerkte mich nicht und lief an mir vorbei.
Kurze Zeit später fand ich die gesuchte Kundin in der Waschmittelabteilung.
Schnell sagte ich ihr den Preis, drehte mich um und verschwand so schnell wie möglich zwischen den Regalen.
Nicht das die Frau noch auf die Idee kommt weitere Fragen zu stellen.
Im Tarnmodus verborgen, verschwand ich nun im Pausenraum. So wie es üblich war für Verkäuferin, da sie den ganzen Tag ja nichts zu tun hatten.
Meine Kollegen/in saßen bereit um den Tisch versammelt und folgten dem üblichen Ritual des Kaffeetrinkens.
Wie schön Arbeit doch sein konnte.
Gerade als ich mich auf den Stuhl fallen ließ, um mich von dem Höllentrip auszuruhen ging die Klingel auch schon wieder los und das ganze Spiel begann von vorne.
Dragonlady
 

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